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Das Militärhemd.



Übersicht.

Hemd
des Modells
Rumpf Ärmel Kragen Schulterstücke
Breite Vorderteil Hinterteil Länge Breite Handgelenk Länge Höhe Breite
1786, groß 731 bis 758 mm 934 mm 1002 mm 528 mm 237 mm - 379 bis 406 mm 68 mm 68 mm
1786, klein 731 bis 758 mm 839 mm 907 mm 501 mm 237 mm - 379 bis 406 mm 68 mm 68 mm
1799, alle 731 bis 758 mm 920 mm 975 mm 623 bis 650 mm 217 mm 122 mm 406 mm 95 mm 68 mm
1809, Italien 677 bis 704 mm 947 mm 988 mm 568 mm 270 mm 135 mm 447 mm 99 mm 47 mm

1 Linie (ligne) = 0,226 cm (1/12 Zoll)
1 Zoll (pouce) = 2,707 cm
1 Fuß (pied) = 32,484 cm (12 Zoll)
1 Elle (aune) = 118,206 cm (3 Fuß 7 Zoll 8 Linien - oft der Einfachheit halber: 3 Fuß 8 Zoll = 119,108 cm, dieses Maß wurde auch hier den Berechnungen zugrunde gelegt)

Das Modell vom 1. Oktober 1786.

Das "Règlement arrêté par le Roi pour l'Habillement & l'Equipement de ses Troupes", vom 1. Oktober 1786, sagt:

Artikel 11.
Von den Kleinen Montierungsstücken, mit denen jeder Unteroffizier und Soldat versehen wird.

Jeder Unteroffizier und Soldat hat drei gute Hemden [...] Die Hemden [...] sind mit einem Buchstaben markiert, der die Kompanie bezeichnet. Die Ärmel des Hemdes sind auf Matrosenart [à la matelote] zugeschnitten, nur die Sergenten und Fouriere haben einfache Handkrausen [manchettes], ohne Streifen oder bogenförmig ausgeschnittenem Rand, die einschließlich des 2 Linien [6 mm] breiten Saums 12 bis 15 Linien [27 bis 34 mm] breit sind.

Eine im folgenden Jahr, 1787, veröffentlichte "Instruction pour servir à expliquer les principes d'après lesquels ont été exécutés les différents modèles de coiffure, habillement et équipement envoyés à chacun des régiments d'infanterie", ergänzte:

Hemden.

Großes Hemd [grande chemise]. Um die Hemden aus einer 7/8 Ellen [1042 mm] breiten Leinwand zuzuschneiden, nimmt man die Breite des Ärmels seitlich an der Breite des Rumpfes weg, im Verhältnis von 27 bis 28 Zoll [731 bis 758 mm] für den Rumpf und 9 Zoll [244 mm] für die Hälfte des Ärmels.

Die Schulterstücke werden am Ende des Rumpfes in der Breite des Rumpfes, und 4 Zoll [108 mm] hoch, ausgeschnitten.

Der Kragen muß in Kettenrichtung der Leinwand ausgeschnitten werden, dies macht es notwendig, so viele Kragen einen neben dem anderen auszuschneiden, wie in die 7/8 [1042 mm] Ellen passen. Daraus ergibt sich, daß man bei einer Leinwand von 7/8 Ellen [1042 mm] Breite für das große Hemd insgesamt 1 15/16 Ellen [2308 mm] benötigt, und für das kleinere, dessen Rumpf 3 Zoll [81 mm] und dessen Ärmel 1 Zoll [27 mm] kürzer sind, 1 7/8 Ellen [2233 mm].

Rumpf [corps]. Der Rumpf ist so geschnitten, daß er, nachdem die Säume gemacht worden sind, 3 Fuß 1 Zoll [1002 mm] lang ist, von der Mitte des Schulterstückes bis zum unteren Ende des hinteren Teils des Rumpfes gemessen. Der vordere Teil des Rumpfes hat nur 2 Zoll 6 Linien [68 mm] weniger. Die Breite beträgt, nachdem die Nähte und Säume gemacht worden sind, 27 Zoll [731 mm].

Ärmel [manches]. Jeder Ärmel ist, nachdem er an den Rumpf angenäht worden ist, einschließlich der Aufschläge 19 Zoll 6 Linien [528 mm] lang.

Die Breite beträgt, nachdem die Nähte gemacht sind, 8 Zoll 9 Linien [237 mm]. Die Ärmel enden enganliegend und werden am Ende mit einem, nachdem er eingeschlagen worden ist, 4 Zoll [108 mm] hohen Streifen Leinen (dem Aufschlag) verstärkt.

Diese Aufschläge werden am Ende des Ärmels mit drei Nähten in sehr dichtem Rückstich gemacht, enden in zwei Knopflöchern und sind 7 bis 8 Zoll [189 bis 217 mm] lang.

Schlitze [ouvertures]. Der Schlitz des Aufschlags ist 4 Zoll [108 mm] lang und endet in einem Riegel, der ihn schließt.

Die Schlitze unten an der Seite des Rumpfes sind höchstens 11 Zoll 6 Linien [311 mm] lang und enden in einem gedoppelten Zwickel von der gleichen Leinwand, der 2 Zoll [54 mm] breit und 15 Linien [34 mm] hoch ist.

Der Schlitz der Hemdkrause ist 11 Zoll 6 Linien [311 mm] lang und endet in einem Herzen, das in alle Richtungen einen Durchmesser von 15 Linien [34 mm] hat.

Kragen [collet]. Der Kragen ist aus gedoppelter, im fertig genähten Zustand 2 Zoll 6 Linien [68 mm] hoher Leinwand gemacht, und 14 bis 15 Zoll [379 bis 406 mm] lang. Er endet auf der linken Seite mit einem einzelnen Knopfloch, das 5 Linien [11 mm] vom unteren Rand angebracht ist, und auf der rechten Seite mit einem mit Faden bestickten Knopf von 5 bis 6 Linien [11 bis 14 mm] Durchmesser, der dem Knopfloch gegenüber angenäht ist.

Schulterstücke [epaulettes]. Die beiden Schulterstücke bestehen aus einem einzigen Stück und haben in ihrer größten Ausdehnung die Rumpfbreite des Hemdes, um in die Nähte, welche die Ärmel mit dem Rumpf verbinden, mit eingenäht werden zu können. Sie enden vorne 1 Zoll [27 mm] vor den Enden des Kragens, damit sich die Leinwand des Rumpfes bis zum Halskragenschluß in Falten legen kann. Ihre größte Breite beträgt, nachdem sie eingeschlagen worden sind, 3 Zoll 6 Linien [95 mm, es muß jedoch richtig heißen: 2 Zoll 6 Linien = 68 mm]. Wenn sie eingeschlagen und aufgenäht worden sind, verstärken sie die Oberkante des Rumpfes mit einem Streifen von 15 Linien [34 mm].

Machart [façon]. Das Hemd ist an den Webkantenseiten mit überwendlichem Stich genäht, und dort, wo sich keine findet, mit der Kappnaht. Die Säume sind schmal und fest, und die aufgenähten Schulterstücke oben mit einem Rückstich befestigt, die Knopflöcher sind gut gemacht und alles so genäht, daß es gut haltbar ist.

Kleines Hemd [petite chemise]. Das kleine Hemd unterscheidet sich vom großen nur in der Länge des Rumpfes, der 3 Zoll 6 Linien [95 mm] kürzer ist, und der Länge der Ärmel, die auch kürzer sind, nämlich 1 Zoll [27 mm]. Der Rest ist gleich.

Ellenmaß [aunage]. Man braucht für die Anfertigung des großen Hemdes 1 Elle 15/16 [2308 mm] Leinwand von 7/8 Breite [1042 mm].

Und für ein kleines Hemd 1 Elle 7/8 [2233 mm] Leinwand derselben Breite [also 1042 mm].

Das Tuch, dessen man sich zur Ausführung der Musterstücke bedient hat, konnte vor der Verwendung nicht angefeuchtet werden, man beachte, daß diese vorbereitende Maßnahme unbedingt nötig ist.

Das Modell vom 11. Thermidor an 7 [29. Juli 1799].

Der "Devis des étoffes et doublures nécessaires pour la confection de l'habillement complet d'un volontaire d'infanterie de ligne et d'un volontaire d'infanterie légère, avec les dimensions de chaque partie de l'habillement, et des effets de grand et petit équipement communs à chacun d'eux." vom 11. Thermidor an 7 [29. Juli 1799] (Journal militaire an 7, p. 648.) kennt keine großen und kleinen Hemden mehr, sondern nur noch ein Einheitshemd. Die Hemden der Unteroffizier haben ihre Handkrausen verloren.

Diese Maße werden im "Etat des dimensions et prix des effets confectionnés de toute nature dont les troupes doivent se pourvoir sur leurs masses, conformément à la loi du 26 fructidor an 7 [12. September 1799], et à l'arrêté des consuls de la républqiue du 9 thermidor an 8 [28. Juli 1800]. Approuvé par le ministre de la guerre, le 4 brumaire an 10 [26. Oktober 1801]." (Journal militaire an 10, p. 183.) ohne Änderung wiederholt:

Hemd.

Länge des Körpers hinten 36 Zoll [975 mm], vorne 34 Zoll [920 mm]; Breite 27 bis 28 Zoll [731 bis 758 mm];

Länge der Ärmel 23 bis 24 Zoll [623 bis 650 mm]; Breite [der Ärmel] 8 Zoll [217 mm] oben, 4,5 Zoll [122 mm] am Handgelenk, der Ärmel als Amadis-Ärmel zugeschnitten;

der Kragen 15 Zoll [406 mm] lang und 3,5 Zoll [95 mm] hoch;

die Schulterstücke 2 Zoll 6 Linien [68 mm] breit.

Es scheint bis zum Ende des Kaisereichs keine weiteren neuen Modelle für das Militärhemd gegeben zu haben.

Die Abmessungen im Königreich Italien 1807.

Die Abmessungen eines Militärhemdes werden auch auf S. 70 f. in einem für die Armee des Königreichs Italien bestimmten Werk beschrieben: "Descrizione delle dimensioni degli effetti di vestito, fornimento, bardatura, piccolo equipaggio ecc., rilevate sui campioni stabiliti in virtù del § 5.º, articolo 15 del regolamento 1.º Luglio 1807" (Beschreibung der Abmessungen der Bekleidungsgegenstände, der Ausrüstungsstücke, der Geschirre, der kleinen Montierungsstücke etc., übernommen von den Musterstücken, die gemäß § 5, Artikel 15 des Reglements vom 1sten Juli 1807 über die Verwaltung und das Rechnungswesen der Truppenteile angefertigt worden sind.), welches vermutlich 1809 gedruckt wurde.

Dieses italienische Hemd hat auch Amadis-Ärmel, ist aber schmaler als das französische Militärhemd. Die beiden Schulterstücke bleiben getrennt:

Hemd [Camigia]. Für alle Waffengattungen, Truppenteile und Dienstgrade.

Vorderteil des Rumpfes: Weiße Leinwand [tela bianca]. Länge 35 Zoll [947 mm]. Breite 25 bis 26 Zoll [677 bis 704 mm].

Hinterteil des Rumpfes: Weiße Leinwand. Länge 36 Zoll 6 Linien [988 mm]. Breite 25 bis 26 Zoll [677 bis 704 mm].

Kragen mit einem Knopf am rechten Ende und einem Knopfloch am linken Ende: Weiße Leinwand. Breite 16 Zoll 6 Linien [447 mm]. Höhe 3 Zoll 8 Linien [99 mm].

Zwei Schulterstücke, jedes: Weiße Leinwand. Länge 9 Zoll 8 Linien [257 mm]. Breite 1 Zoll 9 Linien [47 mm]. Am oberen Ende über eine Länge von 6 Zoll 3 Linien [169 mm] in zwei gleiche Teile gespalten.

Zwei Ärmel, jeder: Weiße Leinwand. Länge 21 Zoll [568 mm]. Umfang am oberen Ende 20 Zoll [541 mm], am unteren Ende 10 Zoll [270 mm], in der Mitte 18 Zoll [487 mm].

Verstärkung [rinforzo] am unteren Ende jedes Ärmels: Weiße Leinwand. Länge 10 Zoll [270 mm]. Breite in der Mitte 2 Zoll [54 mm] und an den beiden Enden 1 Zoll [27 mm]. [Im Text steht als Maßangabe fürdie Breiten irrtümlich: once = Unzen]

Zivile Hemden.

chemise d'homme
Mannshemd. (de Garsault, Tafel III.)
a a  Schulterstücke  b b  Achselzwickel  c c  Zwickel  d  Herz des Jabots  e e  Fourchetten  f  Schlitz des Jabots

Im Jahre 1771 veröffentlichte François-Alexandre de Garsault sein Werk "L'art de la Lingere." Eine deutsche Überetzung von Johann Samuel Halle erschien 1788 in Berlin, unter dem Titel "Der Leinwandhandel". Auf den Seiten 58 bis; 61 wird dort die Anfertigung eines Mannshemdes erklärt:

Verfertigungsart [façon].

Um ein Hemde zu machen, bereitet man zuerst die Ermel dergestalt zu, daß es nichts mehr bedarf, als sie an ihrer Stelle anzuheften, und deshalb macht man gleich anfangs die untere Nath, welche die beiden Seiten zusammenfügt. Sie wird mit der überwendlichen Nath, und inwendig mit der Kappnath gemacht. Man ersparet zwei Zoll an einem, und drei am andern Ende, die man nicht zu nähen braucht, die zwei Zoll bekommen den Achselzwickel und die drei Zoll bleiben für die Fourchette e e offen. Jetzt kömmt es darauf an, den Achselzwickel anzubringen, man stellt ihn als eine Raute, oder ein verschobenes Viereck vor, und nähet ihn von Ecke zu Ecke [bedeutet: Kante an Kante] an die Seiten der Oeffnung an, die andere Hälfte der Raute wird an den Rumpf genähet, wenn man den Ermel daran heften will.

Die Fourchette [fourchette, der Ärmelschlitz], die sich an der Prise [dem Ärmelbündchen] endigt und offen bleibt, wird an beiden Enden gesäumet.

Der Achselzwickel [gousset d'aisselle] b b, von welchem man so eben gesprochen hat, ist ein kleines Viereck von zwei Zollen Leinwand, das man ringsumher umschlägt, und inwendig überwendlich annähet.

Die Schulterstücke [pieces d'épaule] a a werden gewöhnlich von sechs Zoll lang und von zwei breit zugeschnitten. Man schlitzt das Schulterstück an einem Ende, an der Mitte von drei Zollen auf, um diese Schlitze mit einem viereckigten Zwickel von gleicher Länge zu füllen, den man in eben der Lage und auf dieselbe Art, als den Achselzwickel, darin nähet; es bleibt ebenfalls die Hälfte davon übrig, die nachgehends an das Hemde genähet wird. Nachdem man mit dem Zeichen einer Falte, oder sonsten, die Mitte des Rumpfes genommen hat, schlitzt man, indem man längs der Falte heruntergeht, die Länge von zehn Zollen auf; diese Oeffnung wird die Schlitze des Jabots [fente du jabotf genannt, und zugleich schlitze man rechts und links, längs der Verdoppelung der Leinwand, auf, und gehet von der Schlitze des Obertheils des Jabots, bis sechs Zoll von den beiden Enden, welches der Raum ist, auf welchem die Schulterstücke a a angebracht werden, die man (nachdem man an ihnen rundum einen Einschlag gemacht hat) mit Hinterstichen, sehr dichte neben einander, daran nähet.

Das kleine Herz [petit cœur] der Schlitze des Jabots d ist ein kleines viereckigtes Stück von zwei Zollen, welches man wie ein Herz ausschneidet. Man macht daran rundumher einen kleinen Umschlag, setzt es inwendig genau unten an die Schlitze des Jabots, den Umschlag von der Seite der Leinwand, an welche man es heftet, dann nähet man es ringsum mit dem Seitenstiche an.

Um wieder zu den Ermeln zu kommen, so werden die Prisen daran gesetzt. Man kann für die Menge der Leinwand, die zu dem Umfange der die Ermel der Hemden endigenden Prisen noch zu ihrer Breite erfordert wird, keine genaue Regel geben, da die einen sie breiter als die andern erfordern; indessen ist das gewöhnliche ein halber Finger breit. In Absicht des Umfanges sagt man, daß, wenn man den Umfang des Halses mißt, und hernach das Maaß in drei Theile zusammenlegt, das Drittel davon gemeiniglich die Länge der Prise sei, das beste aber ist, das Maaß wirklich zu nehmen. Das erste, was man alsdenn thut, ist daß man die Leinwand in ihrer Länge zusammenlegt, und auf der Hälfte, die man den Obertheil auszumachen bestimmt, ein Muster, so wie man es begehret, zeichnet und nähet, oder sticket; alsdenn sind die Prisen fertig, daß sie an die Ermel des Hemdes gesetzt werden können. Wenn zu dieser Absicht das Ende der Ermel vorher mit dem Vorderstiche in kleine Falten geschlagen worden ist, so sticht man das Ende derselben zwischen der Verdoppelung der Leinwand der Prise hinein, wo man sie an dem Orte mit dem Seitenstiche annähet, und die Nähenadel mit jedem Stiche in eine Falte des Ermels sticht; hernach heftet man die Leinwand der Verdoppelung der Prise an, und greift in dieselben Falten. Es wird hier genug seyn, eine Falte vorbei zu gehen, d. i. von zwei zu zwei Falten überzuspringen; zuletzt macht man an jedem Ende ein Knopfloch. [...]

Der Kragen des Hemdes [col] ist ein Stück Leinwand, das ungefähr vierzehn Zoll lang, gegen fünf Zoll breit seyn wird. Man legt es nach seiner Breite doppelt zusammen, dies giebt ihm drittehalb Zoll Breite; es wird oben an die Leinwand, wie es vorher von der Prise gesagt worden ist, aufgesetzt.

Note. Man hält die Mannshemden unterwärts um ein Sechzehntel von vorne kürzer, als von hinten.

Wenn die Ermel fertig sind, so theilt man den Rumpf des Hemdes, indem man ihn nach seiner Breite in drei Theile zusammenlegt; nähet die beiden Seiten des mittlern Drittels überwendlich; in das oberste Drittel kommen die Ermel, und das unterste Drittel bleibet offen. Oben an diesem letztern werden die kleinen untersten Zwickel [petits goussets d'en-basc c eingesetzt. Jeder ist von einem Stück Leinwand von zwei Zollen im Viereck gemacht. Nachdem man den ganzen Untertheil des Rumpfs und die besagten untern Oeffnungen gesäumet hat, bringt man den kleinen eingeschlagenen Zwickel oder vielmehr die Hälfte in eine Raute, den Einschlag inwendig, und nähet sie oben an die Schlitze, so wie es bei den Zwickeln des obigen Schulterstückes gesagt ist. Alsdenn legt man die andere Hälfte, indem man sie hinter der erstern genäheten höher macht, zusammen, wie man die Schnupftücher zusammenlegt, und nähet sie an eben den Stellen mit dem Seitenstiche an, mithin sind diese kleinen Zwickel doppelt.

Jetzt kömmt es weiter auf nichts an, als die Ermel an den Rumpf des Hemdes zu setzen, welches geschiehet, indem man den Umfang des Obertheils des Ermels in glatte Falten schlägt, und ihn zugleich an die Oeffnung, sonst an die Ründung des Rumpfs des Hemdes mit überwendlichen Stichen nähet, und nimmt zu gleicher Zeit das, was von dem Zwickel des Schulter- und Achselstücks vor den Ermeln vorragt, mit.

Der Amadis-Ärmel.

manche en amadis
Ein Amadis-Ärmel.
(de Garsault, Tafel III.)

Gilles Ménage gibt in seinem "Dictionaire etymologique, ou Origines de la langue françoise. Nouvelle édition revue & augmentée par l'Auteur." (Paris 1694) die nachstehende Erläuterung für die Amadis-Ärmel. In der ersten Ausgabe, unter dem Titel "Les Origines de la Langve françoise" (Paris 1750), erscheint dieser Eintrag noch nicht.

AMADIS. Man nennt so seit einigen Jahren den enganliegenden Ärmel einer Männerweste, welcher bis zu Handgelenk geknöpft wird. Und er wird deswegen so genannt, weil die Akteure in der Oper Amadis [Lully, 1684] diese Art Ärmel hatten. Die Schneider sagen Amatis.

Die 6. Auflage des "Dictionnaire de l'Académie française" (1835) sagt:

AMADIS. Man nennt so eine Art Ärmel an Hemden, Mänteln oder anderen Kleidungsstücken, der sich, ohne aufzubauschen oder Falten zu bilden, genau an den Arm anfügt und am Handgelenk geknöpft wird.

Garsault beschreibt auf Seite 62 (deutsche Übersetzung) einen Zuschnitt für die "Ermel mit kleinen Aufschlägen" [manches d'homme en amadis], und fügt bezüglich ihrer Machart hinzu:

Die Mannsärmel werden eine halbe Elle lang seyn; der Abgang, den man während dem Zuschneiden daran macht, dienet, sie von der Prise an bis sechs Zoll, oder ungefähr, zu füttern. Diese Fütterung wird mit dem Seitenstiche an den Ermel genähet; man läßt unterwärts eine Oeffnung von sechs Zollen, oder ungefähr, die man mit Knöpfen und Knopflöchern besetzt.

Der Unterschied im Schnitt der Amadis-Ärmel und wohl auch der Ärmel auf Matrosen-Art zu dem üblichen Schnitt der Zivilhemden liegt darin, daß letztere weite ärmel haben, die an der Prise (dem Ärmelbündchen) in Falten gelegt sind.

Die verschiedenen Näh-Stiche.

Die folgenden Erklärungen finden sich in Garsaults Werk, auf den Seiten 34 bis 37 der deutschen Übersetzung, die Zeichnungen auf Tafel IV.

Von den im Leinwandhandel gebräuchlichen Nähestichen.

[...] Die verschiedenen Stiche sind:

Der überwendliche Stich [surjet], der die Leinwande an den Ecken [bedeutet: Webkanten] zusammenfügt.
Der Seitenstich [point de côté], der die Einschläge der Ecken befestigt.
Der Hinterstich [arriere-point], der die Leinwande platt zusammenfügt.
Der Vorderstich [point-devant] ebenfalls platt.
Die Kappnath [couture rabattue] verbindet und befestigt die Ecken.
Der Knötgen- oder Knopflochstich [point noué oder de boutonniere] verhindert, daß sich Ecken nicht ausfaseln [ausfasern, ausfransen].
Der Kettenstich [point de chaînette] ist eine Art Stickerei.

A. Der überwendliche Stich

le surjet ist ein Stich, welcher zwei Stücke Leinwand, Kanten &c. zusammenzufügen dienet. Er wird gemacht, wie folget.

Nachdem man an dem Ende des Fadens, so viel man auf einmal in die Nähnadel thut, einen Knoten, wie das gewöhnliche ist, um ihn an der Leinwand zu befestigen, gemacht hat, fängt man dabei an, daß man an jedem der beiden Stücke, die man zusammenfügen will, einen Einschlag macht. Diese Einschläge werden gemacht, sie zu verhindern, sich oben auszufaseln, welches den Ecken nicht widerfährt: auch ist es unnöthig, diese Vorsicht dabei zu gebrauchen, wenn man sie mit überwendlichr Nath nähet.

Nachdem die Einschläge, wenne es darauf, wie eben gesagt ist, ankömmt, gemacht sind, ziehet man die Nähnadel durch beide, bis an den sie befestigenden Knoten (die Einschläge inwendig) durch. Wenn der Faden heraus gegangen ist, so ziehet man ihn über die besagten Einschläge weg; läßt ihn neben dem Knoten wieder hinein, und gerade gegenüber hinausgehen. So macht man alle andern Stiche, alles auf der nämlichen Linie, auf jeder linken Seite, und einen neben dem andern, und nähert sich, so viel man kann, dem Obertheile der Ecken. Da sich die Enden dieser Einschläge auf der linken Seite ausfaseln könnten, so schlägt man sie gemeiniglich ein. (S. hier unten die Kappnath.)

Figur A, von a angerechnet, erster Stich, der über die Ecken d d weggeht, in b wieder hinausgehet; von b, eben derselbe, gehet in c wieder hinaus &c.

C. Der Seitenstich

le point de côté dient gemeiniglich, die Säume zu nähen, die an dem Rande der Stücke gemacht werden, wie auch seine Stelle an den hier unten angezeigten Kappnäthen zu behaupten.

Um einen Saum zu machen, legt man den Rand der Leinwand einen über den andern, zweimal zusammen, und damit diese doppelte Falte sich nicht wieder eröffne, kneifet man sie ein, oder bricht sie vielmehr auf seiner Breite, mit fliegenden Falten, welches, da es ihn platt macht, sich zu öffnen verhindert, wodurch man sich mehr Leichtigkeit. ihn zu nähen, verschaffet.

Man bedient sich, den Saum zu nähen, des Seitenstichs. Nachdem man den Faden befestigt hat, und er unmittelbar unter dem Saume hinaus gegangen ist, läßt man ihn vorne wieder hineingehen, ziehet ihn durch die drei Leinwande, und läßt ihn ein wenig unter dem untern Bruche des besagten Saumes wieder hinausgehen, mit welcher Handthierung man auf gleiche Art bis zu Ende fortfähret.

Figur C, a a a ist das, was von der Nath in der Gegend zu sehen ist, wenn man den Faden unter dem Saume für den folgenden Stich weggezogen hat.

F. Der Hinterstich [auch: Rückstich]

l'arrière-point dessen man sich als einer sehr dauerhaften Nath bedienet, wird also gemacht. Nachdem man den Knoten befestigt, und die Nähnadel zwischen zwei Faden durchgestochen hat, läßt man sie hinterwärts, jenseit des Knotens wieder hineingehen, um vorwärts in der gleichen Weite von dem besagten Knoten bis zum ersten Stiche wieder hinaus zu gehen. Von da sticht man sie wieder rückwärts auf, oder nahe an dem Knoten durch, und läßt sie jederzeit von vorne in der Weite des vorhergehenden Stiches, wieder hinausgehen. Alle Stiche, die in der Gegend dieser Nath gesehen werden, deren die ersten b, a, c seitwärts angemerkt sind, sind diejenigen, die man im Zurückgehen gemacht hat, woher er den Namen bekommen hat.

Note. Bei dieser Nath muß man jederzeit demselben Faden der Leinwand folgen, und um sie regelmäßig, und dem Auge annehmlich zu machen, zu jedem Stiche die nämliche Anzahl Faden zählen.

Figur F, a ist der erste Ausgang des Fadens; b der Eingang des Fadens, welches den ersten Stich ausmacht; c der zweite Ausgang des Fadens, und der zweite Hinterstich von c nach d, und so mit allen andern.

D. Der Vorderstich [auch: Vorstich]

le point devant ist ganz einfach; man macht alle Stiche von vorne, auf derselben Linie, in gleicher Weite von einander, indem man die Nähnadel von unten nach oben hineinsticht, und sie wieder hinauf ziehet. Dieser Stich dient aufzuziehen, und zu heften; dies nennt man eine leichte Nath [Couture légere].

Figure D, a b c, sind Vorderstiche, die von außen zu sehen sind.
 

G M H. Die Kappnath

la couture rabattue wird auf vielerlei Art gemacht. Es werden deren mit überwendlichem Stiche, andere mit Vorderstichen, vermengt mit Hinterstichen, gemacht, alles um zwei Stücke, deren beide ohne Ecke sind, oder auch, wenn nur an einem der beiden Stücke eine Ecke ist, zusammen zu fügen. Denn es werden zwei Ecken, eine an die andere gefügt, ohne daß man der Kappnath an der linken Seite nöthig hat, die nur zu verhindern dient, daß sich die Leinwande nicht ausfaseln. Hier ist das Verfahren.

Man schlage den Rand jeder Leinwand, aber den einen mehr als den andern um; nähere sie ihren Einschlägen, dergestalt, daß der Einschlag des einen über der andern ihren, um einige Linien überrage; nähe sie dichte am Obertheil eines jeden Einschlags überwendlich an; kehre dann die Stücke auf die linke Seite um, und lege die beiden Leinwande aus einander: so wird man das Ende jeder Zusammenlegung wieder finden. Man schlägt das längste über das andere, macht sie auf der Leinwand platt, und befestigt sie daran mit dem Seitenstiche; oder man bringt auch die Ränder jedes Stücks, die wie hier oben zusammengelegt sind, an einander, doch also, daß Figur I G, der Rand a a um einige Linien über den Rand b b des andern überrage. Hierauf macht man längs dem besagten, niedrigsten Rande b b, eine Nath mit Vorder- und Hinterstichen d; zum Beispiele allgemählig zwei Vorderstiche und zwei Hinterstiche. Hernach schlägt man, Figur M, den überragenden Rand a a, Figur I G des andern Stückes oben über dieser Nath um, und befestigt ihn mit dem Seitenstiche.

Die Figuren G M zeigen eine Kappnath mit Vorderstichen, die mit Hinterstichen, statt des überwendlichen Stiches, vermengt sind.

Die Figur H, zeigt die zwei offnen Stücke, die linke Seite unterwärts. Die Nath ist in d d kaum zu sehen; denn, wenn alles wohl ausgeführt ist, muß man die Nath in der Gegend kaum sehen.
 

B. Der Knötgen- [Knötchen-] oder Knopflochstich,

le point noué ist derjenige, der um das ganze Knopfloch herum gemacht wird, damit ihre Ränder sich nicht ausfaseln. Man bedient sich dessen auch in andern Gelegenheiten, die an ihrem Orte benannt werden sollen. Es ist, so zu sagen, nur eine überwendliche Nath, wovon man, ehe jeder Stich angezogen wird, den Faden mitten durch die Oese ziehet, die er natürlich bildet, wenn man sich der Endigung der Stiche nähert.

Wenn das Knopfloch mit diesr Art von Stichen umringt ist, so fügt man an einem, oder seinen beiden Enden einen Riegel hinzu, der bestimmt ist, es zu verhindern, daß es nicht größer werde. Dieser Riegel wird mit drei, oder vier langen Stichen, die man Vorpaßstiche, points coulés, nennt, in der Quere, an dem Ende des Knopflochs, und dichte beisammen, einer neben dem andern, angefangen. Man verstärkt sie, indem man sie mit demselben, oben angezeigten Knötgenstiche, dichte beisammen zusammenschürzt, ohne in die Leinwand zu stechen.

Figur B, der Knopflochstich; a [fehlt] stellt die Art Oese vor, die der Faden des vorhergehenden Stiches macht, wenn er so eben zusammengezogen werden soll; b, der Faden für den folgenden Stich, der mitten durch die benannte Oese gehet.

Figur H, der Anfang des Riegels; a a, die drei langen Stiche; b,der Knötgenstich.

Figur K, stellt ein fertiges Knopfloch vor; a a, der es umgebende Knopflochstich; b, der Riegel.

Dank.

Ich danke Bernard Coppens, und Gabriele Mendella, die mir Primärquellen zugänglich gemacht haben.



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