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Die Schlacht bei Marengo am 25. Prairial des Jahres VIII (14. Juni 1800).


Der Bericht von Jean Chenevier.

Jean Chenevier wurde am 14. Oktober 1768 in Saint-Rambert sur Loire geboren. Er hinterließ ein "BUCH enthaltend die Reisen, die ich seit meinem Eintritt in militärische Dienste gemacht habe. Die Beschreibung der Städte, Marktflecken, Dörfer, Berge und anderen Orte, an denen ich vorbeikam. Ein Bericht über die Gefechte, die unser Regiment mit dem Feind hatte und an denen ich seit dem Beginn des Revolutionskrieges teilnahm, und über mehrere für mich bedeutende Ereignisse, die mir widerfahren sind seit dieser " Die Überschrift bricht hier ab. Dieses Manuskript befindet sich heute in den französischen Archives Nationales.

Chenevier schrieb sich am 6. August 1792 bei der Departements-Verwaltung von Montbrison als Freiwilliger ein. Am 11. August 1792 wurde er Caporal. Am 8. September 1792, bei der Bildung des 5e bataillon de gardes nationales volontaires de Rhône et Loire (auch 5e bataillon des nationaux genannt), trat er als Caporal in die Grenadier-Kompanie ein. Bei der ersten Verschmelzung wurde sein Bataillon zum 3. Bataillon der 44e demi-brigade de bataille, letztere wurde bei der zweiten Verschmelzung in 22e demi-brigade de ligne umbenannt. Am 14. Frimaire des Jahres 7 (4. Dezember 1798), wurde Chenevier zum Sergent-Major befördert.

In seinem Bericht über die Schlacht bei Marengo zitiert Chenevier ausgiebig und wörtlich aus einem Buch, das im Jahr IX (1800/1801) in Paris erschien: "Marengo, ou Campagne d'Italie par l'armée de réserve commandée par le général Bonaparte, écrite par Joseph Petit, Fourrier des Grenadiers à Cheval, de la Garde des Consuls." (Marengo, oder der Feldzug in Italien durch die vom General Bonaparte kommandierte Armee der Reserve, geschrieben von Joseph Petit, Fourrier der Grenadiers à Cheval der Garde des Consuls).

24. [Prairial des Jahres 8, der 13. Juni 1800]. Ich wurde zum Dienstgrad eines Sous-Lieutenant befördert und zählte als solcher ab dem 7. [Prairial des Jahres 8, der 27. Mai 1800], als Ersatz für Herrn Bellamy, der zum Lieutenant befördert in das 1. Bataillon übertrat.

Vorbereitung für eine größere Schlacht.

Am Morgen des 24. Prairial [13. Juni 1800] verließ die Armee ihre Position im Lager von Tortona, um in Richtung Alessandria zu marschieren. Wir brachen um neun Uhr morgens von Castelnuovo auf und marschierten zur Ebene von Marengo. Wir hielten bei San Giuliano (ein Weiler von drei Höfen, eine lieue [etwa vier Kilometer] von Tortona und am Beginn der Ebene von Marengo gelegen). Der Konsul und die tausend Mann seiner Garde, das Hauptquartier der Armee und sein enormes Gefolge waren in dieser Gegend zusammengepfercht, die am folgenden Tage dazu diente, das Feldlazarett einzurichten. Man erwartete die Armee, sobald sie angekommen war, rückte man in Linie [en ordre de bataille] in die Ebene vor, die ganze Kavallerie in geschlossenen Kolonnen [en masse], man traf den Feind an der Brücke über die Bormida [tatsächlich handelt es sich um den Fontanone], von der ihn zu vertreiben, ein halbherziger Versuch unternommen wurde. Unsere Maßnahmen machten deutlich genug, daß wir eine Schlacht anboten. Doch sei es aus Unentschlossenheit des [österreichischen] Generals Melas, oder daß seine Truppoen aus Genua noch nicht angekommen waren, oder vielleicht auch, weil er nicht gut genug über unsere Truppen und Mittel unterrichtet war: er verweigerte die Schlacht. Wir machten daher an diesem Tage nur sehr wenige Gefangene.

Der Konsul näherte sich mit seiner Garde zu Pferd und einem leichten Geschütz Marengo. Wir sahen ihn vierzig Schritt von uns entfernt alleine die Ebene überqueren, das Terrain sehr aufmerksam studieren, sorgfältig nachdenken und häufig Befehle geben. Das Tageslicht begann zu schwinden und wir waren auf den Beinen, seit es zu tagen begonnen hatte. So war es uns seit unserem Aufbruch von Dijon gegangen. Darüber hinaus waren wir bis auf die Knochen durchnäßt. Einige Chasseurs der Garde du Consul brachten ihm drei oder vier Reisigbündel, um Feuer zu machen, damit er seine Kleidung trocknen konnte, und wir, wir blieben naß, weil wir kein Feuer machen konnten, wir waren zu nahe am Feind.

Welch einzigartige Situation, den Ersten Beamten der Franzosen sich an ein elendes Feuer drängen zu sehen, inmitten einer weiten Ebene und bis zu den Knöcheln im Schlamm, umgeben von der Elite der Generale, ihn, der einen Monat zuvor noch inmitten des Palastes der Tuilerien spazieren gegangen war. Man brachte mehrere Deserteure und Gefangene, unter anderen einen Offizier der Légion de Bussy [ein Korps französischer Emigranten in österreichischen Diensten], der das Kreuz von Saint-Louis trug. Bonaparte befragte sie mit viel Interesse. Sie konnten ihrer Überraschung nicht genug Ausdruck geben, als man ihnen sagte: Der, mit dem ihr gesprochen habt, der diese graue Redingote trägt, ist Bonaparte; das übertraf ihre Vorstellungskraft.

Um Mitternacht herum kehrte der Konsul nach San Giuliano zurück, ebenso wie seine Garde. Obwohl wir weder Feuer noch Stroh hatten, um uns schlafen zu legen, und obwohl der Boden unglücklicherweise mit Wasser bedeckt war, versuchte jeder sich zu betten, wie er konnte, um sich auszuruhen, und ohne uns um den folgenden Tag zu bekümmern. Doch der Erste Konsul machte gute Pläne für die gesamte Armee.

Ein Blick auf die Situation der französischen Armee.

Da der General Melas sich weder nach Genua ziehen konnte, um in die Toskana einzudringen, auch nicht den Po und den Ticino überqueren konnte, um Mantua zu gewinnen, und noch weniger über das Ufer des Po vorbrechen konnte, indem er unsere Armee bekämpfte, und sich auch nicht als letzte Zuflucht in Turin einschließen konnte, war er gezwungen, den unsicheren Ausgang einer Schlacht zu riskieren. Hier nun, wie die französische Armee in Italien in Folge aller möglichen Wahrscheinlichkeiten und aller Vorkommnisse verteilt war.

Die Divisionen Chabran und la Poype beobachteten den Po, das Detachement, das in Ivrea zurückgelassen worden war, beobachtete Lecco, das Korps des Generals Moncey besetzte Piacenza, beobachtete Bobbio, sicherte den Ticino, den Sesia und den Oglio von der Mündung dieser Flüsse in den Po an, und klärte in Richtung Peschiera und Mantua auf, die Légion Italique war in Brescia stationiert, der Rest der Armee wurde von Bonaparte persönlich kommandiert, mit dem General Berthier, der sich an die Spitze seiner fürchterlichen Avant-Garde begibt.

25. Prairial [14. Juni 1800]. Schlacht bei Marengo.

Der Morgen begann zu dämmern, einige Kanonenschüsse, die bei den Vorposten fielen, rissen uns bald aus den Armen des Schlafs. Man war im Nu bereit, und unser Frühstück war ebenso rasch fertig wie das Abendessen des Vortags, da wir weder Brot, noch Wein, noch Fleisch, noch Schnaps hatten. Dies raubte uns viel Kraft, aber nicht den Mut.

Der erste Konsul war häufig in unserer Nähe, er nahm alles selbst in Augenschein, und ritt oft die ganze Linie entlang. Doch die meiste Zeit war er an unserer Spitze, um aus möglichster Nähe die Bewegungen des Feindes zu beobachten, was für uns den Vorteil hatte, daß wir seine Befehle aufmerksam hören und beobachten konnten; auch kann ich versichern, daß ich mir genau eingeprägt habe, was ich gesehen habe. Und was ich erfahren habe.

Um acht Uhr hatte der Feind noch nicht viele Kräfte entwickelt, er sondierte die schwachen Stellen und traf danach seine Anordnungen. Im Hauptquartier war man erst gegen Ende des Morgens wirklich über diese Neuigkeiten informiert. Der General Berthier hatte sich auf das Schlachtfeld begeben. Ab dem Morgen folgten die Adjutanten einer auf den anderen und benachrichtigten den Konsul von den Fortschritten des Feindes mit seinen überlegenen Kräften.

Die Verwundeten begannen anzukommen und berichteten, daß die Östereicher einige Stärke hätten. Die Militärs, die einige Feldzüge mitgemacht haben, wissen, daß die Östereicher, wenn sie auch nicht den französischen Schwung haben, doch zumindest über viel Beharrlichkeit verfügen. Der Konsul bestieg nach diesen Auskünften um elf Uhr sein Pferd und begab sich rasch auf das Schlachtfeld. Das Kanonen- und Musketenfeuer wurde immer lebendiger und näherte sich San Giuliano. Eine sehr große Zahl Verwundeter, Infanterie wie Kavallerie, geführt und getragen von ihren Kameraden, strömte auf schaurige Art und Weise zurück. Als der erste Konsul sie vorbeipassieren sieht, sagt er: "Man bedauert, nicht wie sie blessiert zu sein und ihre Schmerzen nicht zu teilen."

Die Linie der Feinde nahm eine so große Ausdehnung an, daß sie mehr als zwei lieues [etwa acht Kilometer] erreichte. Es muß erwähnt werden, daß die Bormida [Petit und Chenevier verwechseln im gesamten Bericht den Bach Fontanone mit dem direkt vor Alessandria gelegenen Fluß Bormida], obwohl sie tief und rasch dahinfloß, trotzdem an mehreren Stellen durchzuwaten war. Denn wir überquerten sie um elf Uhr, und wir widerstanden dort sechs Attacken ihrer Kavallerie und mehreren Kartätschschüssen. Sie konnten uns nicht zersprengen, obwohl wir in einer sehr schlechten Position waren: auf einer ziemlich großen Wiese, die Bormida vier Schritt hinter uns im Rücken, in Musketenschußreichweite des Gehöfts von Marengo. Und niemand hinter uns, um unseren Rückzug zu decken, so daß wir uns auf das andere Ufer des Flusses hätten zurückziehen können. Auch nicht nach links, da das Zentrum sich zurückgezogen hatte und dadurch die Straße nach Alessandria von unseren Truppen entblößt war. Der Feind nutzte diese unglücklichen Umstände aus und versuchte lebhaft, sich in unseren Rücken zu ziehen, um uns gefangenzunehmen; als wir diese rückwärtige Bewegung wahrnahmen, überquerten wir die Bormida wieder und wir konnten uns in Linie [en bataille] auf der niedrigen Anhöhe nahe des Gehöfts von Marengo formieren. Die Feinde drängten mit einer unglaublichen Erbitterung zur Brücke hin, aber der Hauptpunkt der Aktion war San Stefano, zu unserer Rechten [Petit und Chenevier meinen damit sicherlich Castelceriolo oder Lobbi. Die Kirche Santo Stefano liegt etwa fünf Kilometer südlich von Alessandria]. Von dort aus konnten sie Voghera erreichen und uns jeden Rückzug abschneiden. Auch richteten sich ihre Anstrengungen immer auf diesen sehr schwachen Abschnitt. Mittags gab es keinen Zweifel mehr, daß wir eine Schlacht mit sämtlichen österreichischen Kräften haben würden; genau das war der Grund, daß wir uns zum Rückzug genötigt fanden, da wir sahen, daß die ganze Armee begonnen hatte, sich zurückzuziehen. Mittags akzeptierten sie also die Schlacht, die sie am Vortage verweigert hatten. Der Bruder des Generals Watrin wurde bei der Überquerung der Bormida [des Fontanone] getötet.

Der Erfolg ist lange Zeit unsicher.

Den verfügbaren Truppen, die noch zurückgeblieben waren, wurde der Befehle gegeben, sofort heranzukommen, doch das Korps, das der General Desaix kommandierte, war noch sehr weit entfernt. Der linke Flügel, unter den Befehlen des Generals Victor, begann zurückzuweichen. Man sah viel Infanterie, die sich sich zurückzog, ebenso wie die Kavallerie, die sich in Linie [en bataille] auf der Straße von Alessandria befand. Unsere Division [Watrin], die viele Leute verloren hatte, hielt sich immer noch einigermaßen gut in Linie [en bataille], ununterbrochen feuernd. Unser Rückzug fand in der größtmöglichen Ordnung statt, indem wir dem Feind das Schlachtfeld Schritt für Schritt streitig machten. Das Feuer näherte sich dem Zentrum, ein fürchterliches Rollen von Kanonenschüssen war zu hören und verstummte plötzlich an der Bormida [dem Fontanone]. Man war in einer unbeschreiblichen Beklommenheit und doch wagte man sich einzubilden, daß einige Truppenteile der Armee vorrückten, aber im Gegenteil, im gleichen Augenblick sah man sie alle in aller Hast zurückeilen, die Verwundeten auf ihren Schultern zurücktragend. Auf unserem Flügel zog man sich ebenfalls zurück, und immer auf gleicher Höhe mit dem Zentrum der Armee. Der Feind nahm uns unbarmherzig Terrain ab, das wir ihm aufgrund seiner zahlenmäßigen Überlegenheit überlassen mußten.

Nun geht Bonaparte vor, er spornt die Truppen und Soldaten, die er trifft, zur Festigkeit, zur Tapferkeit an. Seine Gegenwart erneuert die Zuversicht; mehr als ein Soldat zieht den Tod bei der Fortsetzung des geregelten Rückzuges der Schande vor, ihn zum Zeugen seiner Flucht werden zu lassen.

Ein Schwarm österreichischer Kavallerie drängte rasch in die Ebene vor und formierte sich in Linie [en bataille] vor uns, sie deckte etwa dreißig leichte Kanonen und Haubitzen, die nicht lange damit warteten loszudonnern. Der General Berthier, der die Bewegungen dieser Kolonne aus der Nähe beobachtet hatte, wurde lebhaft angegriffen und gezwungen, sich auf uns [Petit] zurückzuziehen; der General Murat nahm sie an der Spitze seiner Dragoner in ihre Flanke, deckte den Rückzug unserer Infanterie und verhinderte, daß die rechte Flanke des Generals Victor angegriffen wurde.

Ab diesem Augenblick blieb die Garde du Consul nicht mehr, wie bisher, an seiner Seite, sondern nahm, ohne sich jedoch sehr weit zu entfernen, aktiv am Gefecht teil.

Die Grenadiers à Pied seiner Garde rücken zu diesem Zeitpunkt wie zur Parade heran, defilieren in Ordnung vorbei, formieren sich in Linie [en bataille] zu unserer [Cheneviers] Rechten und marschieren, ohne Artillerie und ohne Kavallerie, nur 500 Mann stark, im raschen Schritt auf den Feind zu, der sie hundert Schritt vor unserer Front empfängt; sie müssen gemeinsam mit unserer [Watrins] Division, die bereits sehr schwach ist, den ungestümen und schrecklichen Stoß einer siegreichen Armee aushalten, doch ohne auf ihre geringe Zahl zu achten, rücken sie weiter vor, alles weicht vor ihrem Durchmarsch. Dann umkreist sie der hochmütige österreichische Adler und droht, sie zu zerreißen. Die erste Kanonenkugel, die sie empfangen, reißt drei Grenadiere und einen Fourrier mit sich, mehrere Male von der Kavallerie attackiert, auf fünfzig Schritt von der Infanterie beschossen, umgeben sie ihre Fahnen und ihre Verwundeten mit einem Bataillons-Karree, verschießen ihre Patronen, nehmen sich Zeit und kehren in Ordnung zu unserer [Watrins] Division zurück. Inzwischen schlug man überall zum Rückzug; das Zentrum gab nach; der Feind überflügelte uns und umging unsere Flügel, er schien auf unserem linken Flügel deutliche Erfolge zu haben, er zeigte Hartnäckigkeit auf unserer Rechten und versuchte erneut, uns zu umzingeln und zu Gefangenen zu machen.

Er konnte vor uns beim Hauptquartier ankommen, weil wir dort zurückgedrängt worden waren. Wenn die Garnison von Tortona unsere Niederlage erkannte, konnte sie nun, weniger eng eingeschlossen, in alle Richtungen einen Ausfall machen. So waren wir nahe daran, fertiggemacht zu werden.

Der Konsul begab sich ins Zentrum, ermunterte den Rest der Tapferen, die die Straße und das Defile, das sie durchquerte, verteidigten. Dieses war auf einer Seite durch ein kleines Wäldchen, auf der anderen Seite durch sehr hohe und dichte Weinreben eingeschlossen. Das Dorf Marengo lag in der Flanke dieser Stelle von so grausamer Erinnerung. Wieviel Blut verströmte an diesem Ort, wieviele Tapfere gingen hier zugrunde ! Unsere unbezähmbare Tapferkeit mußte hier unabläßlich gegen die ständig anwachsende Zahl unserer erbitterten Feinde kämpfen.

Unsere Artillerie, zum Teil schon demontiert, hatte einige Geschütze verloren und es begann ihr an Munition zu mangeln. Dreißig gut bediente Geschütze blitzten und rissen Männer in Stücke, und Bäume, deren Äste bei ihrem Herabstürzen zu allem Elend auch noch die Unglücklichen zermalmten, die nur verwundet waren.

Schließlich blieben um vier Uhr nachmittags, ich wage es zu versichern, in einem Umkreis von höchstens zwei lieues [etwa 9 km] nicht mehr als zehntausend Mann Infanterie unter den Fahnen, tausend Mann Kavallerie und sechs Geschütze, die noch feuern konnten. Man werfe mir nicht vor, bei der Darstellung solch außerordentlicher Verluste zu übertreiben. Die Ursachen sind sehr leicht zu erkennen, ein Drittel der Armee war außer Gefecht gesetzt, der Mangel an Fahrzeugen für den Transport der Verwundeten bewirkte, daß ein Drittel mit diesem unangenehmen Dienst beschäftigt war, der sogar mehreren einen plausiblen Vorwand bieten konnte, sich zur Unzeit von ihren jeweiligen Truppenteilen zu entfernen. Der Hunger, der Durst, die große Erschöpfung hatten ebenfalls eine große Zahl gezwungen, sich zu entfernen. Die Tirailleurs hatten zum größten Teil die Verbindungen mit ihren Truppenteilen verloren. Das, was von der Armee übrig geblieben war, war damit beschäftigt, energisch das erwähnte Defile zu verteidigen, und verschwendete keinen Gedanken an das, was in ihrem Rücken geschah.

Kaltblütigkeit und Gelassenheit des Ersten Konsuls.

Zu diesem schrecklichen Zeitpunkt, als die Toten und Sterbenden die Erde bedeckten, trotzte der Konsul dem Tod inmitten der Kugeln, die die Erde zwischen den Beinen seines Pferdes aufwirbelten. Umgeben von Kämpfern, die rings um ihn fielen, gab er seine Befehle in jedem Augenblick mit seiner gewöhnlichen Kaltblütigkeit und sah den Sturm heranziehen, ohne daß er ihn zu fürchten schien. Alle, die ihn sahen, vergaßen die Gefahr, die ihnen selber drohte. Wir sagten uns alle: Falls er unglücklicherweise getötet werden sollte, was werden wir tun ? Weshalb geht er nicht zurück ? Man sagt sogar, daß der General Berthier ihn gerade hierum bat. Ich [der Text ist wörtlich von Petit übernommen] war so neugierig, aufmerksam auf seine Stimme zu lauschen und seine Gesichtszüge zu studieren. Der mutigste aller Männer, der Held, der sich am stärksten von allen zum Ruhm hingezogen fühlte, durfte wohl Gefühle zeigen, ohne daß man ihm das zu seinem Nachteil auslegen konnte. Er tat es nicht. Während dieser schrecklichen Momente, als das Glück ihn zu verlassen schien, war er immer noch der Bonaparte von Arcole und Abukir. Wenn jemand unter diesen die französische Armee so schrecklichen Umständen gesagt hätte: In zwei Stunden werden wir die Schlacht gewonnen haben, wir werden 10460 Gefangene gemacht haben, Generale gefangen genommen haben, 15 Fahnen, 40 Geschütze; der Feind wird uns elf feste Plätze übergeben, und das gesamte Gebiet des schönen Italien; in Kürze wird er schmachvoll an uns vorbeidefilieren; ein Waffenstillstand wird die Geißel des Krieges ablösen und vielleicht unserem teuren Vaterland den Frieden bringen, dieser Mann, sage ich [es handelt sich immer noch um den Text von Petit], hätte gewirkt, als wolle er durch seine verrückten Hoffnungen unsere hoffnungslose Lage verspotten. Wie wurden solche Taten möglich gemacht ?

Nehmen wir den Gang der Ereignisse wieder auf.

Da der Feind das Defile, auf das sich der größte Teil unserer Truppen zurückgezogen hatte und die ihm dort die Stirne boten, nicht bezwingen konnte, etablierte er eine beträchtliche Linie von Artillerie, unter deren Schutz er seine Infanterie in die Weingärten und den Wald warf. Seine Kavallerie, in Linie [en bataille] dahinter aufgestellt, wartete nur auf den Moment, uns vertrieben zu sehen, um sich sogleich auf unsere zersprengten Reihen zu stürzen. Wenn dieses letztere Unglück uns widerfahren wäre, wäre alles ohne Hoffnung verloren gewesen. Der Konsul wäre gefangengenommen oder getötet worden, doch wir hätten uns lieber in Stücke hauen lassen, als ihn zu überleben [auch dies sind Petits Worte].

Ankunft mehrerer Verstärkungen, die man uns seit dem Beginn der Schlacht angekündigt hatte, und zwar um den Mut der Armee zu erhalten.

Die Stunde des Sieges hat geschlagen ! Bonaparte wie immer treu, schwebt er endlich über unseren Häuptern und dient uns zur Richtschnur. Die Divisionen Monnier und Desaix beginnen zu erscheinen, trotz eines Gewaltmarsches von 10 lieues [etwa 40 km] kommen sie im Geschwindschritt an und, ihre Erschöpfung vergessend, treibt sie nichts an als der Drang, uns zu rächen. Der Strom an Flüchtlingen und Verwundeten, der diesen Tapferen entgegenkam, hätte ihren Mut abkühlen können. Doch, die Augen auf den tapferen Desaix gerichtet, können sie nichts anderes als mit ihm, und wie wir, den Gefahren zu trotzen und dem Ruhm entgegenzueilen. Weh ! Sie wissen nicht, daß sie binnen einer Stunde nicht mehr von diesem tapferen General kommandiert sein werden. Die Grenadiers à Pied der Garde du Consul kehren ruhmbedeckt zurück und drohen mit ihren schrecklichen Bajonetten denen, die noch kurz zuvor schon damit rechneten, die Bärenfellmützen ihrer gefallenen und blessierten Kameraden zu verkaufen (die Soldaten der Légion de Bussy sammelten die Bärenfellmützen der gefallenen und blessierten Grenadiere der Garde du Consul auf und zeigten sie uns, indem sie sie auf ihren Säbeln herumschwangen).

Fehler des Generals Melas.

Schon als wir diese Verstärkungen ganz in der Weite sahen, kehrten die Hoffnung und die Freude in unsere Herzen zurück, während der Feind, abgehetzt, erschöpft von seinen eigenen Erfolgen, die ihm teuer zu stehen kamen, unaufhörlich von unseren Tapferen und unserem Mut aufgehalten wurde. Wir waren, nichts von der nahenden Unterstützung wissend, entschlossen, eher bei diesen neuen Thermophylen unterzugehen als zurückzuweichen, auch wenn wir nur sehr wenige waren; doch jeder war so entschlossen wie alle anderen. Der General Melas, der nun im Zentrum auf zu starken Widerstand traf, glaubte uns durch die Verlängerung seiner Flügel einschließen und völlig abschneiden zu können. Er verschob seine Kräfte dorthin und glaubte, seine Bewegung ausreichend verborgen zu haben und uns durch seine Artillerie in Schach halten zu können. So schien sich, da wir von der herannahenden Verstärkung nichts wußten, eine unvermeidliche Niederlage anzubahnen. Doch Bonaparte, immer auf dem Posten der Ehre, und dem nichts entging, ergriff die Gelegenheit; seine Befehle flogen in alle Richtungen.

Tapferkeit der französischen Armee.

Sobald das erste Bataillon der Division Desaix auf Höhe der Armee ankam, formierte es sich in geschlossener Kolonne zur Linken unserer Division [Watrin]. Jeder achtete auf seine Distanz, jeder erhielt Instruktionen; der Konsul, der kommandierende General, die anderen Generale, die Offiziere des Generalstabes ritten die Reihen entlang und inspirierten alles mit der Zuversicht, die große Erfolge ankündigt und bewirkt.

Diese Operation dauerte eine Stunde, die schrecklich war, weil die österreichische Artillerie uns niederschmetterte, jede Salve streckte ganze Reihen nieder. Die Kugeln und die Granaten rissen Männer und Pferde mit sich. Wir haben in unseren Reihen drei Rotten durch eine einzige Granate zu Boden gehen sehen. Wir erwarteten den Tod, ohne uns zu rühren, und schlossen unsere Reihen über den toten Körpern unserer Kameraden, ohne weiter darüber nachzudenken. Diese mörderische Artillerie erreichte selbst die Kavallerie, die sich hinter uns sammelte, und eine Menge Infanteristen verschiedener Truppenteile, die, ermutigt durch das Beispiel der Division des Generals Desaix, die sie vorbeimarschieren sahen, erneut auf das Feld der Ehre eilten.

Alles ist vorhergesehen, alles ist vorberechnet, die Bataillone kochen vor Ungeduld. Der Tambour, das Auge auf den Stock seines Majors gerichtet, erwartet das Signal. Der Trompeter, mit erhobenem Arm, bereitet sich vor zu blasen. Das Signal ist gegeben. Der schreckliche Pas de Charge läßt sich hören. Alle Truppenteile setzen sich gleichzeitig in Bewegung. Der französische Schwung reißt wie ein Sturzbach alles, was sich seinem Vormarsch entgegenstellt, mit sich. Im Nu ist das Defile überwunden, überall ist der Feind über den Haufen geworfen, Sterbende, Lebende, Verwundete und Tote sind in den Boden getreten.

Jeder Kommandeur, der die andere Seite des Defiles erreicht hat und bereit ist, in die Ebene vorzudringen, stellt seine Division in Schlachtordnung auf. So bietet unsere Linie eine beeindruckende Front. So, wie die Geschütze ankommen, werden sie in Batterien zusammengestellt und speien aus größter Nähe auf die in Schrecken versetzten Feinde, diese weichen zurück. Ihre ungeheure Kavallerie greift mit Wut in Massen an, doch das Musketenfeuer, das Kartätschfeuer und das schreckliche Bajonett halten sie mit Leichtigkeit auf. Einer ihrer Munitionswagen explodiert, der Schrecken verdoppelt sich, die wachsende Unordnung wird durch die dichten Schwaden des Pulverdampfes verdeckt. Die Rufe des Siegers vergrößerten die Furcht (denn wir waren keine Menschen mehr, wir waren schlimmer als Teufel, wegen unserer Erbitterung gegenüber den Österreichern); schließlich gerät alles in Bewegung, alles gibt nach und alles flieht.

Dann wirft sich die französische Kavallerie in die Ebene, und durch ihre Kühnheit täuscht sie über ihre geringe Zahl hinweg. Sie geht auf den Feind zu, ohne Furcht, von rechts angegriffen zu werden. Desaix, an der Spitze seiner Division, und die anderen Generale an der Spitze der ihrigen, marschieren unbeeindruckt auf den Feind zu. Wie der Blitz gehen sie dem Donnerschlag voran, alles gibt vor uns nach. Man erreicht die Gräben, Hecken, wirft über den Haufen, überrennt, zertritt mit den Füßen; wir werfen alles, das sich unserem Vormarsch in den Weg stellt, zurück.

Das schwierige und unebene Terrain wird mit derselben Schnelligkeit eingeebnet. Die Soldaten schütten die Gräben mit ihren Händen, ihren Füßen zu, triumphieren über sämtliche Hindernisse, und wetteifern sogar mit ihren Kommandeuren, als erste hinüberzukommen. Auf der Linken nimmt der General Victor mit der gleichen Schnelligkeit Marengo weg und stürmt auf die Bormida [den Fontanone] zu, trotz der Anstrengungen eines überlegenen Feindes, dessen Artillerie und Kavallerie seine rechte Flanke lebhaft bedrohen.

Das Zentrum, mit weniger Stärke, und die Kavallerie unter den Befehlen des Generals Murat rückt gravitätisch in die Ebene vor. Immer in halber Kanonenschußweite, beunruhigt Murat das Zentrum des Feindes, bedrängt ihn, er folgt seiner Bewegung und hält ein gewaltiges Korps Kavallerie in Schach, das nur im Feuer dreier 8pfünder und einer Haubitze manövrieren kann. Da wir bei dieser Bewegung nahe daran waren, den Feind zu umgehen, hatte unsere Infanterie es weniger weit, um zur Brücke zu gelangen und ihm unsererseits diesen Hauptpunkt des Rückzugsweges abzuschneiden. Der unverzagte Desaix zieht sich mit einer lebhaften Bewegung schräg nach rechts auf San Stefano [Castelceriolo oder Lobbi] zu, schneidet den linken österreichischen Flügel vollständig ab, und im selben Augenblick zwingt der General Kellermann mit 800 von mehreren Regimentern zusammengezogenen Pferden 6000 ungarische Grenadiere, die Waffen niederzulegen. Der General Zach, ihr Generalstabs-Chef, wird von Riche, Cavalier im 2e Régiment de Cavalerie, gefangengenommen.

O Schmerz ! Hier, im Augenblick seines Triumphes, nachdem er mit am meisten dazu beigetragen hat, die Armee und vielleicht sein Vaterland zu retten, ist es, daß der Freund und das Vorbild der Tapferen, daß Desaix von einer tödlichen Kugel ereilt wird. Er hat nur noch die Zeit, dem jungen Lebrun zu sagen: "Sagen Sie dem Ersten Konsul, daß ich nur bedaure, nicht genug für die Nachwelt getan zu haben !" Mit diesen Worten stirbt er. Als der Erste Konsul von diesem Unglück vernimmt, ruft er aus: "Warum ist es mir nicht erlaubt, zu weinen ?" Doch unterdrücken wir den Ausdruck unseres Schmerzes, wir werden zurückkommen, um unsere Tränen über den blutigen Überresten dieser Helden zu vergießen, nachdem wir unseren Bericht beendet haben.

Die Nacht nahte; die Truppen des Feindes in Unordnung; Kavallerie, Infanterie, Artillerie, alle drängten sich übereinander zum Zentrum hin, und stürzten von der Brücke in den Fluß. Die Artillerie, die sie, seit wir die Oberhand gewonnen hatten, aus Furcht, daß sie genommen und gegen sie gerichtet würde, zurückgezogen hatten, war ihnen unter diesen Umständen mehr hinderlich als nützlich, da sie den Durchgang versperrte.

Der General Murat, die Notwendigkeit fühlend, ihren Rückzug zu beschleunigen und ihre Unordnung zu vermehren, ließ uns im Laufschritt vorrücken. Das war nicht mehr wie bei unserem Rückzug gegen ein Uhr nachmittags, sondern im Pas de Charge und im vollen Lauf, um sie zu erreichen. Unsere Kavallerie ging auch im starken Trabe vor. Und schon überholten wir ihre Infanterie, die nicht so rasch fliehen konnte wie wir avanzierten, und unfehlbar von unserer Kavallerie in Stücke gehauen oder gefangen genommen werden mußte. Unsere Nähe trug viel zur Verwirrung unter den feindlichen Truppen bei. Die Grenadiers à Cheval und die Chasseurs der Garde waren rechts der Straße, 200 Mann stark; 500 Mann der 1er, 6e und 8e Dragons und des 20e Régiment de Cavalerie waren auf der Linken. Der General Murat flog von einer Seite zur anderen, der entscheidende Augenblick war da, der Chef de Brigade Bessières, voll der Kampfeslust, die uns alle belebte, spricht zu den Chasseurs de la Garde, die er kommandierte, als echter Militär, der weiß, wie der Soldat zum Ruhme schreitet. Die Kavallerie rangiert ihre Pferde, die leider zu erschöpft sind. Der Wunsch, seinem Truppenteil einen Namen zu machen, riß selbst den Gleichgültigsten mit. Die Trompeten blasen zum Angriff, sie setzen sich im kurzen Galopp in Bewegung, die Erde bebt durch ein [hier fehlt ein Wort im Manuskript]. Auf der Rechten bricht er über die Infanterie herein. Die österreichische Kavallerie, entschlossen, die Infanterie zu retten, warf sich in Kolonnen auf unsere Kavallerie, ihre große Zahl und ihre Geschwindigkeit zwang diese, die Beute fallen zu lassen. Doch unsere Kavallerie warf sich auf sie, mit einer schrägen Bewegung nach links. Dreißig Schritte und ein Graben, sieben Fuß breit, trennten sie noch von ihnen; den Graben überspringen, sich ausrichten, den Feind niedersäbeln, die beiden ersten Pelotons einkreisen, all dies dauerte keine fünf Minuten. Betäubt durch den fürchterlichen Ansturm, verteidigten sie sich schlecht und wurden in Stücke gehauen, unsere Kavalleristen machten keine Gefangenen und nahmen keine Pferde zur Beute. Währenddessen nahmen die Dragoner diese Kolonne in der Flanke und verursachteten ein schreckliches Gemetzel, sie verfolgten sie bis zu einem Graben, wo mehrere zu Gefangenen gemacht wurden.

Unsere geringe Zahl, die Schwierigkeit des Geländes, die Nacht, die unerwartet aufkam, die äußerste Erschöpfung der von Hunger entkräfteten Männer und Pferde, eine zahlreiche Kavallerie, unter deren Augen sich die Aktion abspielte, und die jederzeit Rache nehmen konnte, erlaubte dem vorausschauenden und tapferen Murat nicht, seine Kavallerie weiter vorgehen zu lassen und sich so eine Blöße zu geben. Die Früchte dieses glorreichen Tages wären sonst vielleicht verloren gegangen. Im übrigen kamen alle Infanterie-Divisionen fast gleichzeitig mit der Kavallerie an, sie waren in Tirailleurs formiert und hätten vielleicht die Zeit gehabt, sich zu sammeln, falls sie genötigt gewesen wären, kehrt zu machen. Die Divisionen waren nahezu auf Nichts reduziert. Unsere [Cheneviers 22e] Demi-Brigade hatte höchstens noch 200 Mann bei den Fahnen, am Ende dieses denkwürdigen Tages war ein Teil durch die Schwierigkeiten beim Passieren des Geländes versprengt, und ein anderer Teil war verwendet worden, die Verwundeten zurückzutragen. Um 11 Uhr Abends waren nur noch fünf Mann bei unserer Kompanie. Die [22e] Demi-Brigade zählte beim Abmarsch aus Dijon und selbst noch bei der Überquerung des Großen Sankt Bernhard 3000 Mann und mehr. So läßt sich unser Verlust einschätzen, und ebenso der der anderen Truppenteile, die an dieser blutigen Schlacht teilnahmen.

Ich [Chenevier] erhielt am Ende der Schlacht eine Kontusion durch eine Musketenkugel, unterhalb der rechten Wade, die mir fühlbar bleiben wird, solange ich lebe.

Folgen der Schlacht bei Marengo.

So endete dieser denkwürdige Tag, die Dunkelheit erlaubte nicht, allen unglücklichen Verwundeten Erleichterung zu verschaffen; eine große Zahl blieb auf dem Schlachtfeld liegen. Österreicher und Franzose, Brüder geworden, näherten sich, indem sie sich halfen wie sie konnten, und gegenseitigen Beistand leisteten. Jeder legte sich ihn, wo er sich gerade befand, den Tornister auf dem Rücken und die Muskete zwischen den Beinen. Die Kavalleristen hielten die Zügel in der Hand und fielen, Männer wie Pferde, ohne zu essen und zu trinken, in den Schlaf.

In Marengo schlug es zehn Uhr. Als wir zurückkehrten, um uns bei San Giuliano in Schlachtordnung zu formieren, schliefen einige, erschöpft von den großen Anstrengungen und noch mehr vom Schlaf, im Gehen ein, doch wurde man immer wieder von den schmerzhaften Schreien derjenigen geweckt, die man auf den Musketen oder auf Bahren trug. Und von denen, die, vereinzelt auf dem Schachtfeld zurückgelassen, unsere Hilfe erflehten und die menschlichen und mitfühlenden Herzen mit dieser Melancholie durchdrangen, die dem wahren Soldaten nicht unbekannt ist und die für ihn so ehrenhaft ist. Hier und da irrten Pferde auf drei Beinen umher, mit ihrem Wiehern nach den anderen rufend. Mit jedem Schritt mußte man ausweichen, um nicht auf Verwundete zu treten. Die Gräben und die Wege waren häufig mit Munitionswagen, Bagagewagen und umgestürzten Kanonen verstellt, etwas weiter entfernt stürzten einige Häuser, von den Flammen verzehrt, über ihren vor Schrecken halb toten und in den Kellern versteckten Bewohnern zusammen. Die tiefe Dunkelheit, die uns umhüllte, machte das Bild noch schrecklicher. Die Gefangenen wußten nicht, wo sie hingehen sollten, doch in der Hoffnung, entfliehen zu können, liefen sie auf gut Glück umher. Wenn sie auf französische Soldaten trafen, die sich unter dem Gewicht ihrer Kameraden beugten, wurden sie gezwungen, zurückzukommen, um diese ehrwürdige Last auf ihre Schultern zu laden. Wir hatten an diesem Tage große Strecken zurückgelegt.

Bild des Hauptquartiers.

Der Konsul, die Generale und die Garde Consulaire kehrten ins Hauptquartier zurück, das als Feldhospital diente. Jeder warf sich, wo er konnte, zu Boden, zwischen Toten und Sterbenden, ohne daß deren laute Schreie die Gewalt des Schlafes überwinden konnten. Am nächsten Morgen, bei Tagesanbruch, gewann der Hunger die Oberhand, und ich [Petit] trete, wie es alle meine Kameraden taten, voller Traurigkeit in den Hof des Hauptquartiers, um mir einige Lebensmittel zu verschaffen, was auch immer ich erhalten konnte. Welch schrecklicher Anblick, Zeuge des das fürchterlichsten Geschehens zu sein. Über 3000 französische und österreichische Verwundete lagen übereinander gehäuft im Hof, in den Scheunen, in den Ställen und selbst in den Kellern. Dieses fürchterliche Bild verursachte mir ein Zittern am ganzen Körper, man hörte jämmerliche Schreie und manche stießen sogar Verwünschungen gegen die Chirurgen aus, deren Zahl nicht für alle ausreichte. Von allen Seiten vernahm man die verschmachtenden Stimmen unserer Kameraden und unserer Freunde, die alle Militärs, die eintreten wollten, um zu trinken und zu essen baten. Alles was man tun konnte, war, ihnen Wasser holen zu gehen. Sowohl die Garde du Consul als auch andere gesunde Personen, die sich dort befanden, übernahmen abwechselnd die Dienste des Chirurgen und des Krankenwärters, um möglichst schnell das Los der unglücklichen Verwundeten zu lindern.

Man brachte von allen Seiten Gefangene ein, was die Zahl der Ausgehungerten vermehrte. Dieser Tag hatte für alle eine unerträgliche Dauer. Doch ein Vorgang, der alle möglichen Spekulationen auslöste, versüßte unser langes Unbehagen ein wenig. Ein höherer österreichischer Offizier kam als Parlamentär, und ein Adjutant brach sofort nach Alessandria auf. Niemand wußte etwas, und jeder machte sich seinen eigenen Reim darauf. Der General Berthier begab sich um die Mittagszeit selber dorthin, alles blieb in Erwartung und wagte nicht, auf das zu hoffen, was wir, wie wir am nächsten Tag wußten, erlangt hatten. Wir erfuhren dann bei Tagesanbruch die Neuigkeit des Waffenstillstandes, der die französische Armee mit einer Freude ohnegleichen erfüllte. Wir dachten nicht mehr an den Hunger, der uns verzehrte, während die österreichische Armee, zitternd vor Wut, zwei Tage später und in den darauffolgenden Tagen begann, über das Schlachtfeld zu ziehen, das noch von ihrem und von unserem Blut dampfte, und wo die verstreuten Kadaver schon begannen, in der Luft faulige Ausdünstungen zu verbreiten. Mit dem Waffenstillstand wurden sie verpflichtet, die Toten beider Armeen zu beerdigen, um ihnen vor Augen zu führen, wie sie unsere Toten und die, die noch atmeten, mißhandelt und ausgeplündert hatten, während von uns, obwohl wir Sieger waren, niemand darauf verfallen war, irgendeinen von ihnen auszuplündern, was sie noch mehr demütigte.

Sobald man die angenehme Neuigkeit vernahm, daß man nach Alesssandria hineingehen konnte, lief jeder los, um dort Brot suchen zu gehen. Ich [Chenevier] ging zusammen mit mehreren Kameraden hin, und jeder kaufte ein österreichisches Militärbrot. Obwohl es ganz verdorben war, fanden wir es doch köstlich, weil wir seit mehreren Tagen Hunger gelitten hatten. Unter solchen Umständen ist man nicht so ein Leckermaul: man ißt, was man finden kann.

Alessandria.

Die Stadt wurde vom Kaiser Friedrich Barbarossa "von Stroh" genannt, wegen ihrer Mauern, die aus Lehm und Stroh gebaut waren. Diese wenig nennenswerte italienische Stadt liegt in der Gegend Alexandrin, mit einer starken Zitadelle und einem im Jahre 1178 zu Ehren des Papstes Alexander III. erbauten Schloß, woher ihr Name kommt. Sie ist die Heimat des Papstes Pius V. und des gelehrten Geographen Georg Morula. Sie ist sehr angenehm am Fluß Tanaro gelegen und es gibt eine große Zahl schöner Gebäude. Sie im allgemeinen gut gebaut, und heute der Hauptort des Departements Marengo; der Name des Departements soll die Erinnerung an die Schlacht erneuern. In derselben Ebene fiel der General Joubert in der Nähe von Novi während der berühmten Kampagne des Jahres 7 gegen die österreichisch-russischen Armeen.

27. Prairial an 8 [16. Juni 1800].

Am Morgen wechselten wir [die 22e demi-brigade] unsere Position, wir konnten wegen der Ausdünstungen der auf dem Schlachtfeld verbliebenen und noch nicht beerdigten Kadaver nicht mehr an der Stelle bleiben, wo wir waren. Wir kamen in ein Biwak hinter San Giuliano.

Ich [Chenevier] lief mit mehreren meiner Freunde über das ganze Schlachtfeld, um zu sehen, ob wir nicht einige unserer Freunde finden könnten, doch sie waren nicht mehr zu erkennen. Sie waren alle ganz schwarz geworden. Man konnte diese umglücklichen Kadaver nicht ansehen, ohne zu schaudern. Das war ein furchtbarer Anblick, so viele Tote aufgrund des Kampfes an nur einem Tag zu sehen, der jedoch so schrecklich gewesen war …

Endlich begannen die Lebensmittel einzutreffen, und auch die Wagen für den Transport der Verwundeten. Die Hilfe wurde brüderlich zwischen allen Opfern dieses blutigen Tages geteilt. Man sah ohne Unruhe, ohne Neid, den Österreicher mit dem Franzosen vereint, die sich zwei Tage zuvor noch gegenseitig die Kehle durchschneiden wollten, man sah sie, sage ich, aus denselben Händen, unter demselben Dach, in demselben Zimmer, die nötige Versorgung und die eifrige Pflege einer hilfreichen Menschlichkeit empfangen.

Aufbruch des Ersten Konsuls nach Mailand.

Um zehn Uhr morgens wurden die von uns gemachten Gefangenen übergeben; und der Konsul brach nach Mailand auf, wohin er sich ohne Halt begab, eskortiert von den Chasseurs seiner Garde. Das Gerücht von unserer Niederlage, das sich dieser Stadt verbreitet hatte, hatte die Herzen und die Freunde der Freiheit mit Kummer und Schrecken bedrückt. Doch der neue Umschwung der großen soeben geschehenen Ereignisse, die Bekanntmachung, die gerade erst gemacht worden war, die Gegenwart Bonapartes verwandelte ihre unselige Besorgnis in wahrhafte Begeisterung. Die Nationalgarde und die provisorische Regierung wurden organisiert. Der Konsul, der General Berthier und sein ganzer Generalstab nahmen zusammen mit einer immensen Volksmenge an dem Te Deum teil, das zum Dank für unsere Triumphe gefeiert wurde.

Bemerkungen und interessante Züge.

Als auf dem Höhepunkt der Schlacht der General Berthier herbeigeeilt war, um den Ersten Konsul zu benachrichtigen, daß die Armee nachgäbe und die Niederlage begänne, erwiderte Bonaparte ihm: "General, Sie sagen mir das nicht mit kühlem Kopf !" Diese Seelengröße, diese Festigkeit verließen ihn nie, selbst nicht in der größten Gefahr, und schwächten sich nie ab.

Die 59e de ligne kommt in dem Moment auf dem Schlachtfeld an, als der Kampf am heftigsten war, der Erste Konsul begibt sich zu ihr hin und spricht: "Auf, tapfere Soldaten, zeigt eure Fahnen, der Augenblick ist da, euch auszuzeichnen. Ich verlasse mich auf euren Mut, um eure Kameraden zu rächen." Gerade als er diese Worte spricht, reißt eine Kugel fünf Mann nieder, er dreht sich mit ruhiger Miene um in Richtung der Feinde und sagt: "Auf, meine Freunde, zum Angriff."

In der Hitze der Schlacht hatten wir mehrere blessierte Generale zu bedauern, nämlich Chamberlac, Muller, Malher, Mainoni, der Adjudant-Commandant Champeaux, und Rivaud.

Bei der Ankunft der Verstärkungen und in dem Augenblick, als der Erste Konsul seine Befehle gab, kommt der unerschrockene Watrin, um die Division anzufeuern, er befiehlt den Angriff, ergreift eine Fahne und ruft: "Auf, meine Freunde, folgt mir !" und wie eine Avant-Garde führt er die tapferen Kameraden, die herbeieilen und kommen, um den Tod derer zu rächen, die ihn auf dem Schlachtfeld erlitten haben, auf dem Wege zum Ruhme an. Der Ruf "En avant !" wurde von der gesamten Armee wiederholt, und wir fällten unsere schrecklichen Bajonette.

Wer hätte nicht in den Reihen der la 96e demi-brigade fechten wollen ? Wer hätte nicht zusammen im Glied mit den Grenadieren sein wollen, die ebenso schrecklich waren wie die Griechen, die den Angriff der persischen Armee auf den Engpaß der Thermophylen aushielten ? Mit der 6e légère, der 22e, 28e, 40e, 44e, 50e, 58e, 59e de ligne und der 9e und 24e légère etc. [Petit nennt namentlich nur die 6e légè;re und die 28e, 40e, 44e und 50e], die nicht weniger Schlachttage aufzuweisen hatten, all sie Tage auf italienischem Boden verbracht hatten.

Nach der besten Übersicht unserer Stärke schätzte man die französische Armee zum Zeitpunkt der Schlacht auf 40.000 Mann, davon 3000 von der Kavallerie und etwa 30 Geschütze.

Die der Österreicher betrug 73.000, davon 20.000 Kavallerie, fast 200 Geschütze und 340 Munitionswagen.

Man kann nicht verhehlen, daß dieser Sieg Frankreich sehr viel gekostet hat, durch den Verlust der großen Zahl an Gefallenen und eines seiner besten Generale. Doch man muß berücksichtigen, daß dies notwendig war, um den Süden Frankreichs vor einer sicheren Invasion zu bewahren, und Frankreich vielleicht vor einer schrecklichen Verwüstung, daß Italien gesichert wurde, ein Waffenstillstand abgeschlossen wurde, der mittlerweile einen erstrebenswerten und ehrenhaften Frieden herbeigeführt hat, und so haben wir gewichtige Argumente, unseren berechtigten Kummer zu bezähmen.

Durch diesen Waffenstillstand haben wir ganz Piemont, Genua, Mailand und die Gegend jenseits des Oglio bis zur Etsch gewonnen.

Die Österreicher haben sich Mantua, Ferrara und Peschiera vorbehalten. Die feindlichen Kolonnen sind in Divisionen vorbeimarschiert, um sich nach Piacenza zu begeben. An ihrer Spitze marschierte eine französische Kolonne, eine des Feindes folgte, und so fort.

Die Ehren-Gewehre (fusils d'honneur).

Einen Monat nach der Schlacht ließ der Erste Konsul, der bereits am 2. Juli wieder in Paris eingetroffen war, Ehren-Waffen an die Truppeen verteilen, die sich besonders ausgezeichnet hatten (Correspondence de Napoléon 1er, No. 4998):

DEM CITOYEN CARNOT,
KRIEGSMINISTER.

Paris, 29. Messidor des Jahres VIII (18. Juli 1800).

Ich bitte Sie, Citoyen Minister, der 6e und der 24e demi-brigade légère, sowie der 22e, 28e, 40e, 43e und 96e de ligne, bekanntzugeben, daß ihnen die Regierung für die gute Haltung, die sie bei Marengo bewahrt haben, jeweils fünfzehn Ehren-Gewehre [fusils d'honneur] gewährt;

der 9e légère, der 44e und 59e de ligne: zehn;

dem Bataillon der 101e und der 30e: fünf.

Die Chefs der Truppenteile werden die Namen derjenigen Individuen einsenden, die sich am meisten ausgezeichnet haben.

Den verschiedenen Eskadronen der Kavallerie, die zur Schlacht bei Marengo beigetragen haben, werden zwanzig Ehren-Karabiner [carabines d'honneur] bewilligt. Die Generale der Kavallerie und die Chefs der Truppenteile werden sich versammeln, um diejenigen Individuen zu bestimmen, die sich am meisten ausgezeichnet haben

Bonaparte.

Vier Monate später wurden die Ehren-Urkunden ausgestellt. Wahrscheinlich waren die fünfzehn Nominierungen unserer Demi-Brigade zu gleichen Teilen auf die drei Bataillone verteilt worden.

IM NAMEN DES FRANZÖSISCHEN VOLKES.

Ehren-Urkunden.

BONAPARTE, Erster Konsul der Republik, aufgrund des Berichtes, der ihm über die ausgezeichnete Haltung und die herausragende Tapferkeit der nachfolgend aufgezeichneten Citoyens gegeben worden ist, verleiht diesen als Nationale Belohnung, ein Ehren-Gewehr.

Den Citoyens Duret, Devaud, Dopile, Sergenten; Leloquele und Carpentier, Korporäle bei der 22e de ligne. Diese fünf Tapferen bemächtigten sich in der Schlacht bei Marengo einer feindlichen Kanone, mit der sie solange feuerten, wie die Munition, die sie vorgefunden hatten, ausreichte.

Den Citoyens Debevre, Korporal der Grenadiere, Lefort und Beausire, Korporäle, Girard und Martin, Füsiliere bei der 22e de ligne, die, als sie in der Schlacht bei Marengo dem Feind erst nach Durchquerung eines breiten Baches folgen konnte, sich anboten, um ihn auszuloten, und das gegenüberliegende Ufer unter einem sehr lebhaften Feuer erklommen.

Den Citoyens Gludel, Sergent; Dupont, Korporal der Grenadiere; Turc, Grenadier; Lerondeau und Febvre, Füsiliere, die, in derselben Schlacht als Tirailleurs detachiert und von einem Haufen feindlicher Kavallerie bedrängt, so gute Haltung bewahrten, daß sie die Feinde nötigten, sich zurückzuziehen.

Sie werden die Vorrechte genießen, die mit der genannten Belohnung aufgrund des Arrêtés vom 4. Nivôse des Jahres 8 [25. Dezember 1799] verbunden sind.

Gegeben zu Paris, am 28. Brumaire des Jahres 9 der französischen Republik [19. November 1800].

Der Erste Konsul, gezeichnet, BONAPARTE.
Durch den Ersten Konsul.

Der Staats-Sekretär, gezeichnet, H. B. MARET.

In einer Aufstellung der "Namen der Militärpersonen, die Ehren-Urkunden für herausragende Taten bei der Ersten Reserve-Armee erhalten haben." (Noms des Militares qui ont reçu des Brevets d'honneur accordés pour Actions d'éclat faites, à la première Armée de Réserve.) werden auch die Vornamen dieser Soldaten angegeben (nebst einigen Namensvarianten):

Infanterie, 22e demi-Brigade de Ligne

DURET (Claude-Jean-Baptiste), Sergent der Grenadiere: In der Schlacht bei Marengo bemächtigte sich dieser Soldat, unterstützt von vier seiner Kameraden, einer feindlichen Kanone, mit der diese fünf Tapferen solange feuerten, wie die Munition, die sie vorgefunden hatten, ausreichte. Belohnt. Ein Ehren-Gewehr.
DEVAUD (Louis) genannt Devosse, Sergent. idem.
DOPILE (Nicolas) genannt Dupile. idem.
LELONQUELLE (Louis) genannt Bloquelle, Korporal. idem.
CARPENTIER (Firmin). idem.

GLUDELLE (Jacques) genannt Gladelle, Sergent: In der Schlacht bei Marengo bewahrte dieser Soldat zusammmen mit vier seiner Kameraden als Tirailleure gegen einen Haufen feindlicher Kavallerie so gute Haltung, daß sie die Feinde nötigten, sich zurückzuziehen. Belohnt. Ein Ehren-Gewehr.
DUPONT (Jean-Baptiste), Korporal der Grenadiere. idem.
TURC (Augustin), Grenadier. idem.
FEBVRE (Nicolas), Füsilier. idem.
LERONDEAU (Jean-Martin), Füsilier. idem.

DEBEVRE (Jacques) genannt Debairre, Korporal der Grenadiere. Als sein Bataillon in der Schlacht bei Marengo dem Feind nur nach Durchquerung eines breiten Baches folgen konnte, stellte er sich mit vier seiner Kameraden, um ihn auszuloten, und erklomm mit ihnen zusammen das gegenüberliegende Ufer unter einem sehr lebhaften Feuer. Belohnt. Ein Ehren-Gewehr.
LE FORT (Jean) genannt Faure, Korporal. idem.
BEAUSIRE (Pierre), Korporal. idem.
GIRARD (Benoît), Füsilier. idem.
MARTIN (Simon), Füsilier. idem.


Gludel.
Das Schild des Sergenten Gludel.
Es war auf der rechten Seite des Kolbens seines Ehren-Gewehrs angebracht.
 
Der Erste Konsul dem Citoyen GLUDEL, Sergent der22ème demi-Brigade de ligne.
Mit 4 seiner Kameraden als Tirailleurs detachiert und von einem Haufen feindlicher Kavallerie
bedrängt, bewahrten sie so gute Haltung, daß sie die Feinde nötigten, sich zurückzuziehen.
Schlacht bei Marengo.

Dank.

Ich danke einer liebenswürdigen Dame für die Transkription von Cheveniers Erinnerungen.



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