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Die Feldschüssel [Gamelle].


Lieferung an die Soldaten.

Eine "Instruction provisoire sur le campement de l'infanterie (Provisorische Instruktion über das Lagern der Infanterie) vom 1. März 1792, ordnete an:

Es wird geliefert zu jedem Zelt alter Art [jedes war für theoretisch 8 Mann gedacht], [...] eine Feldschüssel [...] Alle genannten Gegenstände werden für jedes Zelt neuer Art [für jeweils 15 Mann] in doppelter Zahl ausgegeben.

Diese Regelung wurde während der Revolution, dem Konsulat und dem Kaiserreich nicht geändert.

Abmessungen.

Angaben über die Größe oder die Abmessungen dieser Feldschüsseln habe ich leider nicht finden können.

Die Abmessungen im Königreich Italien 1807.

Die Abmessungen einer Feldschüssel werden in einem für die Armee des Königreichs Italien bestimmten Werk beschrieben: "Descrizione delle dimensioni degli effetti di vestito, fornimento, bardatura, piccolo equipaggio ecc., rilevate sui campioni stabiliti in virtù del § 5.º, articolo 15 del regolamento 1.º Luglio 1807" (Beschreibung der Abmessungen der Bekleidungsgegenstände, der Ausrüstungsstücke, der Geschirre, der kleinen Montierungsstücke etc., übernommen von den Musterstücken, die gemäß § 5, Artikel 15 des Reglements vom 1sten Juli 1807 über die Verwaltung und das Rechnungswesen der Truppenteile angefertigt worden sind.), welches vermutlich 1809 gedruckt wurde. Die Armee des Königreichs Italien war nach französischem Vorbild uniformiert und ausgerüstet, so daß man in Ermangelung anderer Quellen hierauf zurückgreifen kann (S. 80 f.):

Feldschüssel [gamella]. Für alle Waffengattungen, Truppenteile und Dienstgrade.

Die Feldschüssel aus Eisenblech [latta] 3 pollicilinee [88 mm] tief. Unten 8 pollicilinee [223 mm] Durchmesser, oben 11 pollici [298 mm] Durchmesser. Oben ringsherum ein Eisendraht [filo di ferro] von ½ linea [1 mm] Durchmesser, der rittlings [a cavallo] mit einem 5 linee [11 mm] breiten, mit Zinn aufgelöteten Rand von Eisenblech bedeckt ist.

Zwei sich genau gegenüber liegende Henkel [maniche], jeder außen am oberen Ende durch eine Fassung aus verzinntem Eisenblech festgehalten. Aus ⅔ linee [1,5 mm] dickem Eisendraht, horizontal 2 pollicilinee [74 mm] lang, vertikal 1 pollicelinee [40 mm] lang.

Zeitgenössische Abbildungen 1813.

In der Dresdner Bilderhandschrift (Manuscrit du Camp de Dresde 1812-1813) ist auf Tafel 33 ein Tornister mit einer darauf festgeschnallten Feldschüssel aus Blech abgebildet (Thomas Hemmann und Markus Gärtner, "Die Dresdner Bilderhandschrift aus den Jahren 1812 und 1813 in der Nachzeichnung von Edmund Wagner", Norderstedt 2013, S. 117).

Wohl 1815 oder kurz danach erschien in Dresden und Pirna eine Sammlung von Zeichnungen, betitelt "Kriegsscenen aus den Jahren 1813 bis 1815, zur Erinnerung für ehemalige Krieger und zum Nachzeichnen und Illuminiren [= Ausmalen] für kleine Leute, in 12 herrlichen Skizzen von Leopold Beyer." Die vollständige Serie ist bei Napoleon-Online veröffentlicht. Auf einer dieser beiden Zeichnungen sieht man eine Feldschüssel, auf einer anderen möglicherweise eine weitere, die aufgrund der Perspektive flacher erscheint.

Eine grosse Schüssel von Blech. Repos. Marche.
Rechts eine Trageweise im Profil, links zwei Abbildungen einer anderen Trageweise: unter dem großen,
rings um den Tornister laufenden Riemen festgeschnallt. Die Feldschüssel in der Mitte (falls es sich um
eine Feldschüssel handelt, und nicht nur um einen Teller) scheint in einer Leinwandhülle zu stecken,
deren Boden aus vier einzelnen Teilen besteht und mit Kappnähten zusammengenäht ist.
Die Bildunterschrift links, aus der Dresdner Bilderhandschrift, lautet "Eine grosse Schüssel vom Blech."

Transport.

Im Jahre 1813 erschien in Paris die 4. Ausgabe des von Etienne-Alexandre Bardin (1774-1841) verfaßten "Manuel d'Infanterie ou Résumé de tous les Règlemens, Décrets, Usages, Renseignemens, propres à cette Arme. Ouvrage renfermant tout ce que doivent savoir les sous-officiers." (Handbuch der Infanterie oder Zusammenfassung aller Reglements, Dekrete, Gebräuche und Hinweise für diese Waffe. Ein Werk, das alles beinhaltet, was die Unteroffiziere wissen müssen). Eine Art 5. Ausgabe aus dem Jahre 1814 trägt den Titel: "Cours d'Instruction à l'usage des élèves sous-officiers d'infanterie appelés à l'école de Fontainebleau, Définitivement arrêté par la Commission formée dans la Garde impériale pour cette rédaction." (Instruktions-Kurs für den Gebrauch der Unteroffizier-Schüler der Infanterie, die an die Militärschule von Fontainebleau berufen worden sind. Endgültig genehmigt von der Kommission, die für diese Redaktion in der Kaisergarde gebildet worden ist).

In beiden Ausgaben findet sich gleichlautend die Angabe (1813: S. 42, nº53. 1814: S. 244 f.):

Feldkessel [marmites] und Feldschüsseln [gamelles]. Die Feldkessel, eingepackt in ihre Leinwandhülle [étui de toile], müssen auf dem Tornister hängen, so daß sie ihn so wenig wie möglich abnützen und auf keinen Fall die Patronentasche beschädigen. Die Feldschüsseln werden ebenso befestigt, mit Hilfe ihrer Henkel, der Boden nach außen. Die Tambours müssen davon befreit werden, die Feldschüsseln und Feldkessel zu tragen, da diese den Platz beanspruchen würden, den ihre Trommeln einnehmen.

Wie man aus der Feldschüssel ißt.

Im Sommer 1811 trat der Genfer Pierre-Louis Mayer als Soldat in das 35e régiment d'infanterie de ligne ein, in ein Bataillon, das seine Garnison in Modena hatte. Er erzählt (Soldats Suisses au Service Étranger [Bd. 1], Genève 1908, S. 256):

Die Grenadiere erwiesen mir die Ehre, mit ihnen die Suppe essen zu dürfen, und zeigten mir, wie man dies auf anständige Art und Weise tut. Man steht aufrecht rings um die Gamelle, die gewöhnlich für acht Männer bestimmt ist, und der Reihe nach nimmt man einen Löffel Suppe, indem man einen Schritt nach vorne und anschließend einen Schritt zurück macht. Der Oberkörper wird dabei etwas nach vorne gebeugt, um die Kleider nicht zu beschmutzen.

Loblied auf die Feldschüssel.

Im Jahre 1793 wurde das nachstehende Lied in verschiedenen patriotischen Liederbüchern gedruckt. Gesungen wurde es auf die Melodie der Carmagnole:

Éloge de la gamelle.
 
Savez-vous pourquoi mes amis, (bis)
Nous sommes tous si réjouis ? (bis)
C'est qu'un repas n'est bon
Qu'apprêté sans façon:
Mangeons à la gamelle,
Vive le son, vive le son,
Mangeons à la gamelle,
Vive le son du chaudron.
 
Point de froideur, point de hauteur, (bis)
L'aménité fait le bonheur. (bis)
Oui, sans fraternité
Il n'est point de gaité.
Mangeons à la gamelle,
Vive le son, vive le son,
Mangeons à la gamelle,
Vive le son du chaudron.
 
Nous faisons fi des bons repas, (bis)
On y veut rire, on ne peut pas; (bis)
Le mets le plus friand
Dans un vase brillant,
Ne vaut pas la gamelle.
Vive le son, vive le son,
Ne vaut pas la gamelle.
Vive le son du chaudron.
 
Vous qui baillez dans vos palais, (bis)
Où le plaisir n'entra jamais, (bis)
Pour vivre sans souci,
II faut venir ici
Manger à la gamelle;
Vive le son, vive le son,
Manger à la gamelle;
Vive le son du chaudron.
 
On s'affoiblit dans le repos; (bis)
Quand on travaille on est dispos. (bis)
Que nous sert un grand cœur
Sans la mâle vigueur
Qu'on gagne à la gamelle ?
Vive le son, vive le son,
Qu'on gagne à la gamelle ?
Vive le son du chaudron.
 
Une fille à tempérament, (bis)
Qui veut se choisir un amant, (bis)
Aux faquins du bon ton
Préfère un bon garçon
Qui mange à la gamelle.
Vive le son, vive le son,
Qui mange à la gamelle.
Vive le son du chaudron.
 
Savez-vous pourquoi les Romains (bis)
Ont subjugué tous les humains ? (bis)
Amis, n'en doutez pas,
C'est que ces fiers soldats
Mangeoient à la gamelle.
Vive le son, vive le son,
Mangeoient à la gamelle.
Vive le son du chaudron.
 
Ces Carthagenois si lurons, (bis)
A Capoue ont fait les capons. (bis)
S'ils ont été vaincus,
C'est qu'ils ne daignoient plus
Manger à la gamelle,
Vive le son, vive le son,
Manger à la gamelle,
Vive le son du chaudron.
 
Bientôt les brigands couronnés, (bis)
Mourant de faim, proscrits, bernés, (bis)
Vont envier l'état
Du plus pauvre soldat
Qui mange à la gamelle.
Vive le son, vive le son,
Qui mange à la gamelle.
Vive le son du chaudron.
 
Ah! s'ils avoient le sens commun, (bis)
Tous les peuples n'en feroient qu'un; (bis)
Loin de s'entr'égorger,
Ils viendroient tous manger
A la même gamelle.
Vive le son, vive le son,
A la même gamelle.
Vive le son du chaudron.
 
Amis, terminons ces couplets (bis)
Par le serment des bons Français: (bis)
Jurons tous, mes amis,
D'être toujours unis.
Vive la République,
Vive le son, vive le son,
Vive la République,
Vive le son du canon.
 
 
 
 
Loblied auf die Gamelle.
 
Wißt ihr, meine Freunde, warum (bis)
Wir alle so vergnügt sind ? (bis)
Das liegt daran, daß eine Mahlzeit nur gut ist,
Wenn sie ohne Umstände zubereitet wurde:
Laßt uns aus der Gamelle essen,
Es lebe der Klang, es lebe der Klang,
Laßt uns aus der Gamelle essen,
Es lebe der Klang des Kessels.
 
Nicht Frostigkeit, nicht Dünkel, (bis)
Sondern Liebenswürdigkeit bewirkt das Glück. (bis)
Ja, ohne Brüderlichkeit
Gib es keinen Frohsinn.
Laßt uns aus der Gamelle essen,
Es lebe der Klang, es lebe der Klang,
Laßt uns aus der Gamelle essen,
Es lebe der Klang des Kessels.
 
Wir verschmähen die edlen Mahlzeiten, (bis)
Man will dort lachen, man kann es nicht; (bis)
Die leckerste Speise,
In einem prächtigen Gefäß,
Kommt der Gamelle nicht gleich.
Es lebe der Klang, es lebe der Klang,
Kommt der Gamelle nicht gleich.
Es lebe der Klang des Kessels.
 
Ihr, die ihr in euren Palästen tanzt, (bis)
Wo das Vergnügen niemals eintritt, (bis)
Um sorgenfrei zu leben,
Muß man hierher kommen,
Und aus der Gamelle essen;
Es lebe der Klang, es lebe der Klang,
Und aus der Gamelle essen;
Es lebe der Klang des Kessels.
 
In der Ruhe wird man schwächer; (bis)
Wenn man arbeitet, ist man rüstig. (bis)
Was hilft uns ein großes Herz
Ohne die männliche Kraft,
Die man aus der Gamelle gewinnt ?
Es lebe der Klang, es lebe der Klang,
Die man aus der Gamelle gewinnt ?
Es lebe der Klang des Kessels.
 
Ein Mädchen ist so veranlagt, (bis)
Wenn es sich einen Liebhaber wählen will: (bis)
Den Lümmeln des guten Tons
Zieht sie einen guten Kerl vor,
Der aus der Gamelle ißt.
Es lebe der Klang, es lebe der Klang,
Der aus der Gamelle ißt.
Es lebe der Klang des Kessels.
 
Wißt ihr, weshalb die Römer (bis)
Die ganze Menschheit unterworfen haben ? (bis)
Freunde, zweifelt nicht daran,
Das lag daran, daß diese stolzen Soldaten
Aus der Gamelle aßen.
Es lebe der Klang, es lebe der Klang,
Aus der Gamelle aßen.
Es lebe der Klang des Kessels.
 
Diese fidelen Karthager (bis)
Sind bei Capua Feiglinge gewesen. (bis)
Wenn sie besiegt worden sind,
Dann lag das daran, daß sie sich nicht mehr dazu herabließen,
Aus der Gamelle zu essen,
Es lebe der Klang, es lebe der Klang,
Aus der Gamelle zu esse,
Es lebe der Klang des Kessels.
 
Bald werden diese gekrönten Räuber, (bis)
Vor Hunger sterbend, geächtet, in die Pfanne gehauen, (bis)
Den Zustand beneiden
Des ärmsten Soldaten,
Der aus der Gamelle ißt.
Es lebe der Klang, es lebe der Klang,
Der aus der Gamelle ißt.
Es lebe der Klang des Kessels.
 
Ach! Hätten sie doch gesunden Menschenverstand, (bis)
Alle Völker würden nur eines tun; (bis)
Weit entfernt davon, sich gegenseitig zu erwürgen,
Kämen sie alle, um zu essen
Aus derselben Gamelle.
Es lebe der Klang, es lebe der Klang,
Aus derselben Gamelle.
Es lebe der Klang des Kessels.
 
Freunde, beenden wir diese Strophen (bis)
Mit dem Schwur der guten Franzosen: (bis)
Laßt uns alle schwören, meine Freunde,
Daß wir für immer einig sein werden.
Es lebe die Republik,
Es lebe der Klang, es lebe der Klang,
Es lebe die Republik,
Es lebe der Klang der Kanone.
 

Dank.

Ich danke Thomes Hemmann, Gabriele Mendella und Markus Stein, die mir hilfsbereit Quellen zur Verfügung gestellt haben.



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