Großgörschen 2022

Von gleich zwei Grenadieren, die als Rekruten an unserem Drill-Biwak in Großgörschen teilgenommen haben, gibt es Berichte.

Hier der erste:

Félix.
Kurzes Ausruhen vom Exerzieren

Großgörschen 6.–8. Mai 1813 (2022)

Unser kleines Abenteuer begann damit, dass wir, Sans-Souci, mein Vater Thomas und Ich, in Großgörschen eintrafen. Sogleich trafen wir zwei weitere Grenadiere, die mir als Rôtisseur und Champagne vorgestellt wurden. Kurz danach hatten wir unsere Uniformen an, die sich zwar anfangs etwas ungewohnt anfühlten, aber insgesamt nicht viel ungemütlicher waren als unsere Zivilkleidung.

Der restliche Abend wurde gemütlich am Lagerfeuer verbracht, wo wir Bratwürschtl verspeisten. Etwas später kamen ein paar sympathische Russische Jäger vorbei, die überraschenderweise nur wenige Ähnlichkeiten mit den wilden Tartaren oder Kosaken aus den Geschichten hatten. Als dann auch noch einige Sachsen des 2. leichten Regiments vorbeikamen, konnte man die Russen fast nur anhand der gelben Hutaufschrift von den Sachsen unterscheiden. Ihre Art, ein Feuer zu löschen schien mir jedoch eher das Gegenteil zu bewirken.

Trotz einer sehr kalten und ungemütlichen Nacht war ich in der Früh nicht allzu müde. Wir alle waren motiviert und wir freuten uns auf den Tag, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das auch auf Sans-Souci zutrifft, der wollte schlafen. Nachdem sich der Capitaine dann doch dazu entschlossen hatte aufzustehen, habe ich gelernt, wie man sich richtig auf der Stelle dreht. Dass es etwas länger gedauert hat, lag bestimmt an der unebenen Beschaffenheit des Bodens.

Der restliche Tag wurde damit verbracht, immer wieder abwechselnd nichts zu tun, zu exerzieren und den Sachsen zu zeigen, dass wir ihnen im Stöckchen-Werfen weit überlegen sind. Um jedoch zu verhindern, dass sie womöglich zur Koalition überlaufen, haben wir sie einmal gewinnen lassen. Das sollte sie für die nächsten paar Feldzüge weiterhin an unsere siegreichen Adler binden.

Am Abend kam ein Platypus, der ein schreckliches Geheul ausstieß. (Manche nennen es Musik.) Als der Platypus dann einige Minuten lang eine Pause einlegte, fing ein Schotte an, auf seinem Dudelsack einige schöne, jedoch sehr schrille, Lieder zu spielen. Nachdem der Platypus dann viel zu langsam ins nächste Dorf verschwand, wurden einige schöne Lieder angestimmt. Trotz Heuschnupfen war die zweite Nacht angenehmer als die erste.

Sonntag Vormittag verbrachten wir mit exerzieren. Die restliche Zeit über schaute ich anderen Regimentern beim Zeltabbau zu.

Ein schöner Abschluss des Wochenendes war das Gustav-Adolf-Denkmal und das Museum in Lützen. Nervig war jedoch, dass ich mich den restlichen Tag gewundert habe, als auf meinem Kopf kein Hut zu finden war. Dass weder ein hoher Kragen noch Epauletten vorzufinden waren, irritierte auch etwas.

Insgesamt ein sehr interessantes und tolles Wochenende, Vielen Dank!

Grenadier Félix



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